Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 31/2010

Albumcover

Plan B
The Defamation of Strickland Banks

Ein junger Mann betritt die Bühne, gut gekleidet und ein smartes Lächeln auf dem Gesicht. Die Blitzlichter der Kameras gehen an und im Fokus Benjamin Paul Drew, der Prototyp des Ausdrucks "Everybody's Darling". Vier Jahre früher: Im englischen London betritt der Rapper Plan B die weite Musikwelt. Sein Debut trägt den Titel "Who Needs Actions When You Got Words". Die Texte sind eine Ansammlung von Schimpfwörtern und Beleidiungen. Es geht um Gewalt, Mord und Vergewaltigungen. Sein Spitzname war passenderweise "britischer Eminem". Niemand hätte geglaubt, dass Plan B sich zum Liebling der britischen Musikbranche entwickeln würde.
 
Schon seit Wochen ist seine neue Platte "The Defamation of Strickland Banks" das absolute Hype-Thema in Großbritannien. Was eigentlich auch nicht verwunderlich ist: War 2008 noch das Jahr der Soul-Frauen wie Adele, Duffy oder Winehouse, blieb den männlichen Gegenstücken (Jamie Lidell, Mayer Hawthorne) bis dato jeglicher kommerzielle Erfolg versagt. Irgendwann musste es einer schaffen – dass es Plan B ist, der auch in der ganz großen Masse bekannter wird, ist mehr als gerechtfertigt. Schließlich ist sein nostalgischer Soulpop-Entwurf ungleich charmanter als, sagen wir, Xavier Naidoo. Plan Bs Songs laufen im Radio und in den Clubs landesweit rauf und runter. Für harten Rap eigentlich undenkbar. Doch Plan B rappt nicht mehr, er singt. Anstelle von Hip Hop Beats dominiert Soul. Über dreizehn Songs wird der Hörer mit auf eine Reise genommen. Soul und Motown werden mit einer Überzeugung präsentiert, als würden wir uns im New Orleans der 60er und 70er Jahre befinden, in denen reihenweise Künstler durch den groovigen Sound berühmt wurden.
 
Plan B beschränkt sich jedoch nicht nur aufs Singen. Nebenbei widmet er sich seinem zweiten Talent, der Schauspielerei. Neben der Rolle des Schauspielers schlüpft er auch vermehrt in die des Regisseurs. Mit Hilfe dieser Rolle entwickelte er mit "The Defamation of Strickland Banks" mehr als nur ein herausragendes Soulalbum. Es erzählt die Geschichte von Strickland Banks, einem erfolgreichen Soulsänger. Dieser bekommt Probleme mit dem Gesetz, weil ihm eine Vergewaltigung vorgeworfen wird. Er landet im Knast und erlebt die schlimmste Zeit seines Lebens. Neben der musikalischen Ausarbeitung der Story hat sich Plan B auch vorgenommen sie zu verfilmen. Er selbst möchte dabei die Rolle des Strickland Banks übernehmen. "The Defamation of Strickland Banks" enthält lediglich ein offenes Ende der Story. Die Fortsetzung wird Plan B wieder im gewohnten Hip Hop-Sound präsentieren. Allerdings ohne sein Label. Dieses hat kein Interesse daran, dass er sich dem Soul wieder abwendet.

Auf "The Defamation of Strickland Banks" überzeugt mit einer hohen Varianz in der sanften Stimme. Dazu wechselt er passend zwischen schnelleren Songs („She Said“) und ruhigen Nummern („Hard Times“), so dass die CD zu keinem Zeitpunkt eintönig wirkt. Hier kann man sich genüsslich zurücklehnen, während im Kopf imaginäre Männer mit langen Koteletten und funky Pornobrillen mit Ladies in futuristisch anmutenden Synthetikanzügen über den Tanzflur shakern. Schnell mal mit Verve den Vintage-Teppich in den Eingang rollen und danach einfach mitwippen. An passenden Stellen werden Chöre und Backgroundsänger eingesetzt. Obwohl er sich in einem Genre bewegt, dass seinen Höhepunkt vor einigen Jahrzehnten hatte, klingt das komplette Album mainstreamig und modern und macht einfach Lust auf Bewegung - egal ob im Club, beim Autofahren oder auf der heimischen Couch. Selbst sagt er über den Entstehungsprozess des Albums "Ich wollte dem Herzen und der Seele der Musik treu bleiben, sie aber ein bisschen auffrischen". Das ist ihm auf eine überraschend poppige Art und Weise gelungen. Diese B-Lösung ist eine A-Lösung. (Michael Savic, CT das radio)

VÖ: 30.07.2010

Links: Myspace | Label

Anspieltipps

The Recluse, 7
Link:

Stay Too Long, 3
Link:

Welcome To Hell, 5
Link:

She Said, 4
Link:

What You Gonna Do, 13
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