Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 46/2009

Albumcover

A Place To Bury Strangers
Exploding Head

Nein, A Place To Bury Strangers machen es dem Hörer nicht leicht. Rau, sperrig und vor allem laut schrillt die Musik aus den Boxen. Für viele wird es nach Krach klingen, dieser tosende Noise-Klang, der durchaus den nächsten Zahnarztbesuch als plausible Option erscheinen lässt. Allerdings würde dies A Place To Bury Strangers nicht gerecht werden. Hier wird sich an den alten Helden Jesus & Mary Chain und My Bloody Valentine abgearbeitet. Je lauter und kaputter, desto besser
„Exploding Head“ ist das zweite Album der Band. Ein Werk, das sicherlich nicht sofort ins Ohr geht, aber wenn der Funke einmal überspringt, dann hört man sich die 43 Minuten wie gefesselt an. Die Band lässt einem auch keine Wahl, schon der Eröffnungssong zeigt die Marschrichtung des Albums an. „It’s Nothing“ startet mit einem verzerrten Gitarrenriff und steigert sich im Stakkatoschritt immer weiter, bis es der Experimentierfreudigkeit erliegt. Langgezogene Riffs treffen auf Elektroverzerrungen, die Stimmen sind von Filtern sowieso kompett demoliert. Irgendwo im Hintergrund sind die Drums zu hören, bis der Song durch Keyboardelemente beim Ausklingen fast schon versönlich abgerundet wird.

Diese musikalische Vielfalt ist die große Konstante im Werk von A Place To Bury Strangers, das aber durchaus seiner Klangfarbe durchgängig treu bleibt. Getragen werden diese musikalischen Spiele von der traurig-melancholischen Stimme Oliver Ackermanns. Wenn er im Song „Lost Feeling“ „I’m dying to hold you…never go away“ singt, ist man nahe dran, Mitleid für seine Situation zu empfinden. Nichts ist hier aufgesetzt, Lyrics und Musik wirken authentisch. Abgelöst wird dieses melancholisches Gefühl dann wieder sehr schnell durch die Spielerei mit Effekten, Riffs und Drums. Dabei steigert sich die Band häufig in lange, verwirrende Soli, die einen hypnotischen Charakter entwickeln. Man muss einfach alle Gedanken ablegen und sich von den zehnSongs treiben lassen. Quer durch die Musikgeschichte, quer durch Industrial, weißen Krach und scharfkantigen Gitarrensound.Dieser wirkt das gesamte Album hindurch durchdacht und wohlüberlegt. Jeder Effekt kommt genau im richtigen Moment, keinRiff ist zu viel. Unweigerlich bekommt man das Gefühl, als würde A Place To Bury Strangers gegründet wurden sein, um die Symbiose aus Riffs, Effekten und einer melancholischen Grundstimmung zu schaffen. Es geht nicht um Schönklang, hier darf es durchaus weh tun. Schmerz und akustische Unübersichtlichkeit vereint als künstlerische Option. Und doch blitzen hie und da Momente auf, die besonders Hinhorchen lassen. Die Melodien bei „Deadbeat“ beispielsweise oder so manch extra schräg sägende Gitarre. Die Liebe zum Detail wird noch dadurch unterstrichen, dass Vokalist und Gitarrist Oliver Ackermann Gründer der Firma Death By Audio ist. Die Firma entwickelt und produziert Effektpedale für Gitarren und statte unter anderem schon U2 und Nine Inch Nails mit Equipment aus. Er weiß also durchaus, wie er seine Riffs mit den gewünschten Effekten unterlegt.

„Exploding Head“ gerät aber nicht nur zur Promotion. Es ist ein wilder Ritt, der zwar heutzutage nicht mehr so richtig zu schocken vermag (und dem durchaus der ein oder anderen griffigere Moment fehlt), aber dennoch tausendfach mehr Ecken und Kanten besitzt, als vieles im heutigen musikalischen Einheitsgrau. Auf ihrer Myspace-Seite beschreiben die New Yorker ihre Musik selbst mit den Genres Rock, Psychedelic & Experimental. Aber sicherlich lassen sich noch weitere Elemente erkennen: Indierock, Garagenrock undShoegaze sind sicherlich weitere Elemente, die „Exploding Head“ zu dem geformt haben, was es ist.. Aber egal, in welches Genre man A Place To Bury Strangers packen möchte, ein Attribut kann die Band keinesfalls von sich weisen. Sie ist laut! Dies erkannte auch ein Reporter der Washington Post, der die Band mit folgenden Worten beschrieb „the most ear-shatteringly loud garage/shoegaze band you´ll ever hear“. Zumindest diejenigen, die den Lautstärke-Wettkampf der 70er Jahre nicht bewusst miterlebt haben, werden an dieser Stelle unweigerlich nicken müssen. Unterhalten ist bei „Exploding Head“ sowieso nicht mehr drin. (Michael Savic, CT das radio)

VÖ: 06.11.2009

Band: http://www.aplacetoburystrangers.com/ | Label: http://www.mute.de

Anspieltipps

  • It Is Nothing, Track 1
  • Exploding Head, Track 9
  • Everything Always Goes Wrong, Track 8
  • Deadbeat, Track 4
  • Keep Sliping Away, Track 5

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