Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 14/2008

Albumcover

Peter Morén
The Last Tycoon

Der charmante Pfeif-Hit "Young Folks" von der schwedischen Band Peter Bjorn and John gehört zu denjenigen Ausnahme-Songs, die irgendwie alle kennen. Wirklich alle. Ungefähr zwei Jahre ist es jetzt her, da musste man nur einen beliebigen Radiosender einschalten und ein wenig warten, um sich von der Qualität des kleinen Stücks Musikgeschichte überzeugen zu können. Oder, um die bösen Zungen einmal vorbeugend zu rezitieren: Damals wurden Peter Bjorn and John mit eben jenem Titel praktisch überall rauf- und runtergedudelt. Dem Frontmann des Trios, Peter Morén, könnte ähnliches widerfahren mit seinem Debüt-Solo.

Darauf präsentiert der Schwede überraschenderweise sehr zurückhaltende und natürliche Songs, die weniger von poppigen Klängen als vielmehr vom Folk inspiriert anmuten. Spätestens auf den zweiten Blick erscheint das allerdings logisch: Moréns grundlegende Idee für das Album war es schließlich, seine persönliche Musik zu kreieren, die nicht in den Rahmen seiner Band passte. Und immerhin sagt auch Morén selbst zu seiner Platte: "Die Texte bieten das übliche Psycho-Gebrabbel, aber mit einem ehrlichen und direkten Anspruch." Die einzelnen Titel sind über mehrere Jahre hinweg, unter anderem während der letzten Tour des Trios, entstanden. Die Musik wird genährt vom traditionellen Singer-Songwritertum, bei der Moréns Stimme und seine Gitarre zunächst einmal das Fundament bilden. Daneben lässt er aber auch Streicher, Synthesizer und Schlagzeug mit einfließen.

Der Titel des Albums, "The Last Tycoon", hat zwei Referenzen. Erstens ist er einem Roman von F. Scott Fitzgerald entliehen, nämlich "The Love Of The Last Tycoon". Dessen Hauptperson: ein Produzent, erfolgreich im Job, erfolglos in der Liebe. Eine Beziehung kann er nicht führen, weil er zu stark in seine Arbeit eingebunden ist. Ein Buch also über das trügerische Wesen des amerikanischen Traums – dessen Titel Morén ob des großen Erfolgs von Peter Bjorn and John in den Vereinigten Staaten auch deswegen vielleicht nicht ganz zufällig gewählt hat.

Fitzgeralds Novelle hat einen Nachfolger in bewegten Bildern: Auf ihr basiert der Film "The Last Tycoon" von Elia Kazan aus dem Jahr 1976, womit die zweite und wahrscheinlich deutlich stärkere Allegorie von Moréns Albumtitel gefunden wäre. Vom Soundtrack des Films soll der Sänger nach eigenen Angaben derart tief beeindruckt gewesen sein, dass er sie jahrelang im Hinterkopf behielt.

Die in Literatur und Film postulierten Ideen werden somit in der Musik durchaus weitergetragen. Mit seiner Leichtigkeit und Schlichtheit ist "The Last Tycoon" jedenfalls ein sehr angenehmes Album geworden. Dahinter als zentrale Figur: Peter Morén, redegewand, ein Geschichtenerzähler – dem mit seinem Debüt eine wirklich intime wie auch beschauliche Platte gelungen ist. (Barbara Bauer, Hochschulradio Düsseldorf)

VÖ 08.04.2008

Künstler: http://www.myspace.com/petermorn | Label: http://www.wichita-recordings.com

Anspieltipps

  • Reel To Real, Track 1
  • Le Petit Coeur, Track 4
  • This Is What I Came For, Track 7
  • Missing Link, Track 2
  • Social Competence, Track 9

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