Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 23/2009

Albumcover

Patrick Wolf
The Bachelor

In Zeiten, in denen weltweit die Finanzmärkte einstürzen und Anleger sich geprellt fühlen, umwerben plötzlich Musiker ihre Fans mit Aktien, um abseits von den Majors ihre Platten selbst produzieren zu können. Und so mancher Musiker scheint den Anlegern dann doch vertrauenswürdiger als die ganze Bankerschar. Ansonsten würden auch wir hier nicht Blick und Gehör auf das neue Album von Patrick Wolf richten können... "The Bachelor" ist das erste von zwei Alben, die Patrick Wolf kurz nacheinander veröffentlicht, nachdem sein Plan ein Doppelalbum über sein Exlabel Universal zu veröffentlichen gescheitert ist. Sein dafür nun eigens gegründetes Label Bloody Chamber Music lässt er finanziell von seinen Fans unterstützen, die die entsprechenden Aktien seit letztem Jahr erwerben können.

Der ursprünglich angedachte Titel für das Doppelalbum war "The Battle", dieser Titel ist zumindest noch als Song auf dem aktuellen Album zu finden, für das Patrick Wolf nun den Namen "The Bachelor", also "Der Junggeselle" gewählt hat. Auch noch in diesem Jahr soll dann "The Conquerer" erscheinen und nächstes Jahr sollen die zwei Alben dann die Ehe zum Doppelalbum vollziehen.

Musikalisch präsentiert Patrick Wolf seine extrovertierte Seite, nimmt sich seine Freiheiten und startet mit dem an Fliegeralarm erinnernden Introtrack "Kriegspiel" einen krassen Angriff auf seine Zuhörer. Aber er zieht die schweren Beats nicht von Anfang bis Ende durch, sondern auf hart folgt zart. Bei Songs wie "Thickets" dominiert der Folk mit Streichern und Flöten, so dass man auch meinen könnte, man hätte sich zu Enya und dem Herrn der Ringe Soundtrack verirrt, bei "Battle" wiederum präsentiert sich der Beau als harter Rocker mit leichtem Gothiceinschlag. Bei "The Bachelor" startet er als Paganini mit Capriciogefidel und vermengt das ganze dann mit Klavier und Gesang zu einem Klangbrei. Alles scheint ihm nicht genug und so gibt es wilde Brüche am Fließband und stilistisch wütet er sich wie ein Berserker durch die Tracks, die einzig seine markante Stimme zusammenzuhalten scheint. So finden sich hier balladeske Stücke wie "The Sun Is Often Out" genauso wie 80er Elektropop in "Vulture", das clever arrangiert, vielleicht mit der Single „Hard Times“ am eingängigsten ist. Allerdings wird es dem Hörer nicht allzu leicht gemacht, denn die turbulenten Momente überwiegen: Volle Bandbreite von 80er-Computerspielgepiepe über chorunterstützten Gesang bis hin zu sphärischen Klängen ("Count Of Casualty").

Den Spieltrieb, so wie er ihn auf dem Cover des Vorgängeralbums präsentiert hat, wo er sich auf dem Karussell vergnügte, hat er also nicht verloren. Er tobt sich musikalisch anscheinend so aus, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Interessant ist das ganze auf jeden Fall, allerdings nicht völlig homogen. Die intime Geschlossenheit seiner Alben wie „Wind In The Wires“ ist einer neuerlichen Expressivität gewichen. Aber vielleicht ist es gerade diese etwas brüchige Persönlichkeit, die Patrick Wolf ausmacht und die seine Fans an ihm lieben. (Florian Hesse, Triquency)

VÖ: 05.06.2009

Künstler: http://www.patrickwolf.com | http://www.myspace.com/officialpatrickwolf

Anspieltipps

  • Vulture, Track 09
  • Hard Times, Track 02
  • Battle, Track 13
  • The Sun Is Often Out, Track 11
  • Oblivion, Track 3

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