Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 19/2009

Albumcover

The Parlor Mob
And You Were A Crow

Von Ganoven und Krähen“ oder „They Write and Sing In the Spirit of Led Zeppelin“. So oder so ähnlich könnte die Biografie von The Parlob Mob betitel sein. Schließlich ist ihr Name eine Anlehnung an eine im 19. Jahrhundert in New York aktive Gangsterbande – und überaus passend. Angefangen hat ihr `Raubzug` als Prog-Band What about Frank in New Jersey, einer Gegend, die als Ursprungsort vieler hochrangiger Rockmusiker gilt.

Auf dem Weg zu neuer Identität und ihrem Debütalbum „And You Were A Crow“ haben sie sich aber im Bezug auf Einflüsse und Vorbilder nicht nur auf die Ostküste der Vereinigten Staaten beschränkt. In ihrer sehr an die großen Rock-70´s erinnernde Stillmischung fallen Namen wie Robert Plant und Jimmy Page mit so einer Selbstverständlichkeit aus dem Rockregal, dass man ihnen beinah das Prädikat „Led Zeppelin-Coverband“ aufdrücken möchte - wäre da nicht noch die andere Seite von The Parlor Mob, die gekonnt die vielfältigen Fäden epochenübergreifender Rockmusik zusammenspinnt. Denn auch von der Kreativleistung moderner Genrevertreter wird Einiges absorbiert. Die Siebziger treffen auf modernen Rock, wie ihn zum Beispiel die früheren White Stripes oder, etwas aktueller, auch Black Stone Cherry praktizieren. „And You Were A Crow“ wirkt in diesem Kontext wie ein generationenübergreifendes Gemeinschaftsprojekt, in dem jeder Vertreter seine herausragenden Eigenschaften einbringt, damit Vater und Sohn mal wieder zusammen eine Platte anhören können.

Den Einstieg in das Album bilden die Songs „Hard Times“ und „Dead Wrong“, die mit einem treibenden und schmutzigen Sound daherkommen und dem Hörer schon in den ersten Minuten klar machen, dass das Genre Rock in Reinform noch lange nicht am Ende ist. „Everything You´re Breathing For“ und „Kids“ hätten vom Stil und Klang perfekt auf das „Elephant“-Album (2003) der White Stripes gepasst, wobei wahrscheinlich nur echte Fans und Kenner gemerkt hätten, dass es sich nicht um Meg und Jack White gehandelt hätte. Mit „Real Hard Headed“ kippt das Album wieder zu eher traditionelleren Rockformen und begräbt sukzessive die Songs in der staubigen und heißen Wüste. Überzeugend sind die rotzigen Arrangements und Mundharmonika-Blues-Elemente. Der raue und ungestüme Charakter erreicht seinen Höhepunkt mit „Tide of Tears“, einem 8:33min-Song der schwerfällig, melancholisch und doch voller Energie ist und dank mehrerer Gitarrensoli auch die Zeit vergessen lässt. Streng nach Zeppelin-Motto: Gute Songs dürfen sich nicht in ein 4 Minuten-Raster drücken lassen.

Auch wenn in der modernen Musikszene fast ausgestorben, in „Bullet“, wenn auch nur kurz, wieder zum Leben erweckt: Die Hammondorgel. Seien wir ehrlich: Gibt es was Originelleres um diesen 70er-beseelten Sound besser zu unterstreichen? Manchmal braucht es das Klischee. Mit dem letzten Track des Albums, „You Can´t Keep No Good Boy Down“, wird der Treck in den Südstaaten geführt. Man wähnt sich in einer Gefangenkarawane, die sich aufgrund der Fußfesseln in schnöden Takt fortbewegen und arbeiten muss. Es gibt kein Zurück. Joel Coen und George Clooney lassen grüßen (Oh Brother, Where Are Thou?)!

Egal in wessen Fußstapfen The Parlor Mob, musikhistorisch betrachtet, treten wollen, sie machen es einfach, ohne nachzudenken und das auch noch gut. Ihr Debüt gerät so zu einem gleichermaßen kreativen und soliden Mix aus mehreren Dekaden des Rocks. In der Rückbesinnung auf die Tugenden der Vergangenheit mit Blick der Jetztzeit. Hemmungslos nostalgisch und klassisch. (Ben Grosse-Siestrup, CampusFM)

VÖ: 08.05.2009

Band: http://www.myspace.com/theparlormob | Label: http://www.roadrunnerrecords.de

Anspieltipps

  • Everything You´re Breathing For, Track 03
  • When I Was A Orphant, Track 05
  • Bullet, Track 11
  • Hard Times, Track 01
  • an´t Keep No Good Boy Down, Track 12

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