Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 34/2008

Albumcover

Parenthetical Girls
Entanglements

Verwirrung und Morbidität umgeben den Erstkontakt mit dieser Band. Parenthetical Girls. Dieser Bandname und das seltsam anmutende CD-Cover. Da sieht man eine Karikatur mit dem Kopf einer, verwesenden Frau, der auch noch Äste aus dem Mund wachsen. Eine Metapher für das neue Leben, das aus dem Tod emporwächst? Mit komplett neuer Besetzung um den Kopf der Band Zac Pennington stellen sich die Parenthetical Girls nun auch offziell hierzulande vor. Dabei handelt es sich mit "Entanglements" um das bereits dritte Album des Quartetts aus Portland, wobei die ersten beiden Werke nicht in Deutschland veröffentlicht worden sind.

Aber auch das lässt nich eindeutig darauf schließen, was da auf einen zukommt. Denn mit ihrer eigenwilligen Mischung aus orchestralem Pomp und feinsinnigen Pop-Elementen passen sie perfekt zum Kölner Label Tomlab, welches unter anderem Patrick Wolf, Final Fantasy oder auch Xiu Xiu beherbergt(e). Jamie Stewart, seinerseits Mastermind und Frontmann von Xiu Xiu, hat damals das erste Werk "(((GRRRLS))):" der Band mitproduziert. So schließt sich also der Kreis.

Der erste Song des Album "Four Words" erinnert an Arcade Fire, jedoch klingt er mit seinem zuckersüßen Xylophon und dem Bombast an klassischen Elementen wesentlich fröhlicher als die kanadischen Kollegen. Beim Rest der Platte wird es dann stellenweise echt schräg und expertimentell, trotzdem behält sie einen hoffnungsvollen, glückseligen Unterton bei. So könnte ein moderner Märchensoundtrack klingen. Entrückt in lebenden Wäldern, wo der Mensch nur Gast der Natur ist. Wo Fabelwesen ihre Wirkmächte entfalten. Die Theatralik und Dramaturgie der Songsstrukturen lassen sogar Referenzen zu Altmeister Scott Walker zu, wirkt das Ganze doch manchmal schön kitischig. Das stört jedoch keinesfalls und tut auch nicht weh, ganz im Gegenteil. Wer die Labelkollegen Patrick Wolf und Final Fantasy kennt und liebt, der weiss sicherlich auch zu schätzen, in eine kleine fantastische Welt voller seltsamer Wesen entführt zu werden. Die Reise geht elf Lieder lang und erzählt eine Geschichte über Überlegenheit, die Sexualität Erwachsener, Quantenmechanik und moralische Ungewissheiten.

Mit "Entanglements" ist den "Eingeschobenen Mädchen" ein spannendes, abwechslungsreiches und sehr anpruchsvolles Album gelungen, das sowohl beim ersten Hören auf sich aufmerksam macht und ins Ohr geht, andererseits so viel zu entdecken bietet, dass man sicherlich lange eine Freude damit haben wird. Eine Platte, wie Träume. Oder Alice im Wunderland als Theaterstück. (Karolina Lossa, Radio Q)

VÖ 05.09.

Künstler: http://www.slendermeanssociety.com/parenthetical/ | Label: http://www.tomlab.de

Anspieltipps

  • Four Words, Tr. 1
  • Unmentionables, Tr. 3
  • A Song for Ellie Greenwich, Tr. 5
  • Young Eucharists, Tr. 6
  • The Former, Tr. 9

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