Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 04/2010

Albumcover

Pantha Du Prince
Black Noise

Spätestens seit Hannes Stöhrs Filmerfolg "Berlin Calling" von 2008 ist Techno wieder auch im großen Maßstab salonfähig. Der gleichnamige Soundtrack zum Film mit Stücken des Hauptdarstellers Paul Kalkbrenner, Sascha Funke und Co. war einer der meist verkauften Sampler und Filmsoundtracks des Jahres und erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit. Einzig mit der Genrebezeichnung - Techno - scheint man sich nach wie vor schwer zu tun. "Elektro" heißt der neue Emporkömmling. Techno hat seinen Ruf seit den späten 90ern verspielt. In vielen Fällen beschreibt der semantische Unterschied aber ein und dasselbe Phänomen: repetitive Arrangements im 4/4-Takt, synthetisch produziert, mit dem Computer, oder allem was den Soundtüftlern in die Quere kommt, Techno halt.

Keine Frage, im Untergrund oder an der Schnittstelle zum Indiepublikum gab es nie diese Bruchstellen, spätestens mit The Field, Villalobos oder Shed war der Technobegriff wieder positiv gewendet. Und dass diese digitale Musik ein entsprechendes Anspruchsvolumen hat, beweist nun DJ und Produzenten Hendrick Weber, besser bekannt als Pantha du Prince mit seinem dritten Werk, mit dem ihn ein ähnlich rasanter Aufstieg gelingen könnte, wie ihn in den letzten Jahren Paul Kalkbrenner erlebte, mit dem er aber in der Herangehensweise kaum Parallelen hat.

Die Klänge bei Pantha Du Prince sind ungleich subtiler und cleverer, die gefilterten Beats heller, glockiger und distanzierter. "Lay In A Shimmer" sorgt mit irisierendem Klang für die passende Einstimmung. Sphärisches Wabern erfüllt den Raum. Ein immerwährend unterkühlter Track, der in seiner Art durchaus repräsentativ für das Album steht: Präzision ist hier wichtig, aber auch die Reduktion auf das Wesentliche der minimalen Digitalmusik: Beat, Synthieflächen und lose verstreute Details, die dank ihrer Platzierung gewinnbringend den Wirkungsgrad dieser Musik noch einmal erhöhen. Eine Art Kammermusik-Techno, der bewusst intim und übersichtlich gehalten wird und dabei feingliedrig und elegant erscheint. "Black Noise" knüpft da an wo der Vorgänger "This Bliss" aufhörte. Auch diesmal erwarten den Hörer keine hämmernden Bässe, wie man sie etwa von Kalkbrenner gewohnt ist, sondern verspielte Effekte und Höhen. Die treibende Stimmung wird dem Hörer durch subtile Bilder suggeriert, die Tiefen gesellen sich lediglich unterstützend hinzu. Dabei fügen sich die Sounds nahezu nahtlos ineinander. Fast zu schön. Einige Stücke stammen aus Feldaufnahmen und Improvisationen, die in den Schweizer Bergen entstanden sind. All das lässt darauf schließen, dass das Albumcover klug gewählt ist.

Aber auch wenn die Ursprünge und Ideen organischer Natur sind, Songs wie "Satellite Snyper" verweisen in ihrer sturen und metallischen Art auf Maschinelles und sind etwas unnahbar, bis bauchige, röhrengefilterte Bässe wieder etwas Persönlichkeit zurückgeben. "Black Noise" liefert viele eingängige Tracks ab, unter denen auch ein paar richtige Überflieger dabei sind. So etwa "Stick to my Sid"e, zu dem Noah Lennox aka. Panda Bear (Gründungsmitglied des Animal Collectives) seine Stimme beisteuerte. Oder "The Splendour", die erste Auskopplung der Platte, die gemeinsam mit Bassist Tyler Pope vom LCD Soundsystem eingespielt wurde und gleichzeitig zum wippen und träumen einlädt. Überraschend ist zudem wie schnell die gut 70 Minuten vergehen, in denen man Pantha du Princes Phantasmen lauschen darf. Einzig "Behind The Stars" bricht das Schema und liefert eine deepe Clubnummer ab, die aber sogleich vom leichtfüßigen Glöckchenspiel in "Bohemian Forest" wieder eingefangen und ins Gesamtbild gerahmt wird.

Die klug gefilterten Beats, die am besten mit dem Kopfhörer zu entdeckenden Kleinigkeiten am Wegrand und die auch international herausragende Produktion machen dieses Werk besonders, auch wenn die große Emotionalität, die noch "This Bliss" auslöste, etwas zurückgenommen wurde. "Black Noise" ist State Of The Art-Techno, subtil, verspielt und intelligent zugleich. Ein ausgeglichenes und homogenes Nachtalbum mit langer Wirkdauer. Dem Erfolg dieses Werkes steht sowieso nichts mehr im Weg. Pantha Du Prince ist der erste Deutsche auf dem englischen Traditionslabel Rough Trade, das mit dieser Platte seine stilistische Ausrichtung auch erstmals auf das elektronische Feld erweitert. Die überschwängliche Resonanz, die er für seine 2007 erschienen Platte "This Bliss" auch auf großer Basis verdient hätte, wird ihm jetzt bei "Black Noise" nachgeliefert.

(Jan Zederbohm, RadioQ)

VÖ: 05.02.2010

Künstler: http://www.panthaduprince.com | Label: http://www.roughtraderecords.com/

Anspieltipps

  • MO: The Splendour, Lied 3
  • DI: Bohemian Forest, Lied 8
  • MI: Behind The Stars, Lied 7
  • DO: Stick To My Side, Lied 4
  • FR: Es Schneit, Lied 11

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