Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 15/2011

Albumcover

Panda Bear
Tomboy

Panda Bear aka Noah Lennox versteht es, seine Fans auf die Folter zu spannen. Nach dem von vielen Kritikern als „Instant Classic“ gefeierten 2007er Album "Person Pitch" waren die Erwartungen an den Nachfolger groß. Erst recht, nachdem er ab Mitte letzten Jahres im fast monatlichen Rhythmus neue Singles in Umlauf brachte, die nun auch in leicht veränderter Form auf dem elf Titel umfassenden „Tomboy“ gelandet sind.

Noah Lennox´ erstes Album kam schon 1998 unter dem Titel „Panda Bear“ auf den Markt. Seitdem balanciert er gekonnt seine Solokarriere mit der Arbeit des Animal Collectives aus, dessen Gründungsmitglied er ist und mit dem er im Zweijahrestakt ebenfalls Alben veröffentlicht, was seiner Arbeitsweise entspricht: „I get impatient writing songs, I can't spend more than a couple of hours before I get frustrated. So I got to kind of spit it out real fast. My favorite songs are the ones where I worked really really fast on, when it comes all out in like two hours or something."

Für die Arbeit an "Person Pitch" zog Lennox 2004 von New York nach Lissabon. Das sonnige und belebte Wesen der portugiesischen Hauptstadt spiegelte sich auf dem Album deutlich wieder. Das Album bot eine eigentümlich anmutende, aber doch packende Sammlung bunter Tracks. Ob psychedelische, sphärische Sounds, Formel-1-Geräusche oder Chorgesang: Die verschiedensten Samples und Texturen betteten Panda Bears klangvolle Tenorstimme auf faszinierende und lebhafte Weise ein. Für "Tomboy" musste diesmal ein etwas abgelegenes Kellerstudio in seiner Wahlheimat Lissabon herhalten. Man möchte fast meinen: Das ist zu hören. Zwar bleibt das lebendige und bunte Flair des Vorgängers erhalten, doch Panda Bear hat merklich einen Gang runter geschaltet. Zwölfminütige Tracks wie noch auf "Person Pitch" sucht man vergeblich, stattdessen besinnt sich Lennox hier auf weitaus bekömmlichere Laufzeiten. Das schnelle Arbeiten zahlt sich aus, bedeutet aber keineswegs, dass die leicht verschwurbelte Entspanntheit nun gänzlich wegfällt. Im Gegenteil, Tracks wie das klirrende, langsame "Scheherezade" oder "Drone" zeigen, dass Panda Bear auch Vier-Minuten-Stücke durch langgezogene Keyboardklänge fast übersteigert zerdehnt
 
Der Rest erinnert immer daran, dass man es mit einem Mitglied des Animal Collectives zu tun hat – musikalisch wird auf „Tomboy“ nichts neuerfunden. Es scheint fast, dass nach dem ganzen Chillwave und Beach-Sound der letzten Jahre Panda Bear fast vom eigens kreierten Trend etwas überholt wurde. Viele Tracks bewegen sich in diesem Umfeld, sind durch einen klaren Rhythmus und hymnischen Gesang bestimmt, der durchaus das Mitsingen erlaubt. Hier fallen vor allem "Alsatian Darn", "Surfer´s Hymn" und das kurzweilige "You Can Count On Me" (ironischerweise an die Opener-Position gesetzt) auf. "Surfer´s Hymn" zeigt mit seinen Wellenklängen und Steeldrums auch, dass Panda Bear die auf "Person Pitch" schon prominent vertretene Arbeit mit Samples und Texturen immer wieder einzubringen weiß. Noah Lennox ist bekennender Fan der Beach Boys und dieser Einfluss ist auf "Tomboy" noch weniger zu überhören wie auf dem Vorgänger. Der Sound der Instrumente, der Sinn von Nostalgie und ganz besonders der harmonische, hallende Gesang klingen in manchen Stücken wie "Last Night At The Jetty" deutlich nach der Band um Brian Wilson.
 
Panda Bears vorherige Alben "Person Pitch" und "Young Prager" besaßen klare Motive, vor allem inspiriert durch den langsamen Tod seines Vaters. Beim Hören von "Tomboy" wird schnell deutlich, dass Panda Bear diesmal auf eine konkrete Thematik verzichtet. Stattdessen muss man das Album mehr als facettenreiche Sammlung von elf einzelnen Tracks betrachten, die aber erst auf Albumlänge ihre stimmige Verzahnung erfahren. Gerade der etwas fahrige Mittelteil forder ein wenig Geduld vom Hörer, wirkt vielleicht etwas befremdlich. Der Rest ist der typische Trademark-Sound: Flirrende Geräusche, geloopte Einzelteile, leicht neben die Spur gefahrene Gesänge und freundliche Harmonien, die jederzeit entdeckt werden wollen, denn letztlich hat die Musik weiterhin so viele Dellen und läuft unrund wie ein Auto mit Plattfuß. Dass das dennoch weiterhin fesselnd ist, beweist der Kopfhörereinsatz. Da zeigen die Songs ihre eigene Wirkung, die Nostalgie und Experiment zu verbinden weiß und zwischen lebensbejahender Euphorie und Nachdenklichkeit pendelt. (Marc Kluge, CampusFM)
 
VÖ: 15.04.
 
Links: Panda Bear | Label

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