Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 07/2017

Albumcover

Omar
Love In Beats

Seit über 25 Jahren macht Omar Lyefook Soul- und Jazzmusik. In seinem achten Album wendet er sich jetzt dem Hiphop zu. Love In Beats ist seine eigene Interpretation des Genres und klingt nach einer verrückten Clubnacht – alles, dank seines Bruders.

Omar Lyefook braucht viel Zeit für seine Musik. Bei seinem letzten Album The Man waren es sieben (!) Jahre. Er hat die Songs selbst komponiert, die Texte dazu geschrieben, Instrumente eingespielt und gesungen sowie die Scheibe selbst produziert. Das dauert. Für den Nachfolger Love In Beats hat sich Omar „nur“ drei Jahre Zeit gelassen. Bei seinem achten Album hat er einiges aus der Hand gegeben oder outgesourcet. Die Beats produzierte diesmal sein Bruder Scratch Professor, der mit seiner Musik bereits einen Grammy gewonnen hat. Das Problem: Scratch Professor macht Hiphop-Beats und keinen Soul – eigentlich Omars Markenzeichen. Entstanden ist deshalb ein Soul-Album, dass zum Kopfnicken einlädt.

Hiphop in der Machart von Omar erinnert gerne mal an Snoop Dogg und Anderson .Paak, weil Omar wie die beiden mehr singt als rappt. Doch das sind nur kleine Parallelen. Hauptsächlich liefert der Südlondoner Künstler eine ganz eigene Inspiration des Genres. Diese hat mal eine funk-typische Basslinie, etwa in Feeds My Mind. Dann integriert Omar im Song This Way That Way Jazzelemente in Form eines Saxophons in die prägnanten elektronischen Beats seines Bruders. Sein Song Destiny erinnert durch leichte Trompetensounds und ein eindringliches Schlagzeug wiederum an Latin Music. Bildlich gesprochen klingt Love In Beats wie ein Club, in dem elektronische Beats aufgelegt werden, aber das Motto ständig wechselt – vom lateinamerikanischen Abend, zu 70s und so weiter.

Im Interview mit dem Magazin Jazzthing & blue rhythm sagt Omar, dass die Motivation war, sein Bassspiel melodisch klingen zu lassen, damit es nicht nur auf einer Note basiert, sondern in jedem Song wie ein eigener Tune klingt. In Gave My Heart dauert es zwölf Sekunden, bis sich die Beats von Omars Bruder mit seiner Bassgitarre vermischen. Das Resultat ist eine Aufforderung, sich sofort zu erheben, die Schultern abwechselnd anzuheben und dabei rhythmisch die Hüfte schwingen zu lassen.

Es ist überraschend, dass sich Omar so lange ausschließlich eher ruhiger Soulmusik verschrieben hat. Für Love In Beats wurde er prompt nicht mehr nur auf BBC 6 Radio, dem britischen Spartensender für Jazziges, gespielt, sondern läuft auch auf BBC Radio 1xtra, wo sich Club-DJs wie Diplo und Grime-Rapper wie Skepta ablösen. Trotz seiner Kompositionen und Releases über die vergangenen 25 Jahre – sein Debüt There Is Nothing Like This erschien 1990 – bewegte sich Omar immer außerhalb des Mainstreams. Das dürfte sich mit Love In Beats endlich ändern. Den beschriebenen Kopfnicker-Schultertanz-Hüftschwung-Effekt löst Omar nämlich in den meisten seiner zwölf Albumtracks aus.

(Julian Beyer, eldoradio*)

 

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Anspieltipps

Feeds My Mind (feat. Floacist), #4
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Gave My Heart (feat. Leon Ware), #3
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Destiny (feat. Jean Michel Rotin), #1
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This Way That Way, #7
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Doobie Doobie Doo, #10
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