Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 41/2007

Albumcover

Olafur Arnalds
Eulogy For Evolution

Jeder kennt die Situation: Man schaltet sein Radio oder Fernseher ein, ein neuer Song oder unbekanntes Musikvideo setzt ein. Die ersten Takte laden zum Mitwippen ein, man ist gespannt, vielleicht bahnt sich hier ein Hit an. Doch dann – die Ernüchterung. Im besten Fall wird man mit leeren Worthülsen und Songtexten vom Reißbrett beschallt. Sei’s drum, ein wenig Stumpfsinnigkeit hat noch niemanden geschadet. Doch was ist, wenn sich der erwartete Hit als lyrischer Super-Gau entpuppt? Die wohlwollende Anspannung schlägt in pure Aggression um, die Schlagader an der Stirn schwillt an. Gesund ist das nicht. Deshalb stellen wir an dieser Stelle einmal - aus Sorge um unser Wohlbefinden - die Frage: „Warum nicht mal die Klappe halten?“ Musik kann für sich stehen. Musik allein kann anrührend wirken.

Das dies keine Utopie sein muss, das beweist uns ausgerechnet ein Herr aus dem vermeintlich unterkühlten Island. Olafur Arnald ist mitunter ein Vertreter der klassischen Schule. Mitunter, weil Olafur Arnald noch ganz andere Saiten aufziehen kann. Doch dazu später mehr. Bevor jetzt die Klassikfreunde aufspringen und „Wir haben es schon immer gewusst“ schreien – mit dem aufgeblasenen Pomp der üblichen Verdächtigen unter den einschlägig bekannten Komponisten hat Arnalds Musik nichts gemein. Das Erstlingswerk des gerade mal 20-jährigen mit Titel „Eulogy For Evolution“ beginnt viel subtiler und zerbrechlicher, als das, was ein Nichtkenner unter dem Begriff „Klassik“ verstehen mag. Ein einsames Piano empfängt uns und spielt eine einfache, aber melancholisch-schöne Melodie. Leise setzen die Streicher ein, wohlige Wärme macht sich breit. Und ehe man sich versieht, findet man sich im dritten Track wieder. Hier kommt ganz klar die Stärke des Albums zum Vorschein: Die acht Instrumentals auf „Eulogy For Evolution“ präsentieren sich als eine perfekte Einheit, als eine gelungene Komposition. Ganz klassisch eben. In einem Durchlauf muss die Platte deswegen nicht gehört werden, die einzelnen Stücke sprechen für sich. Empfohlen sei der komplette Hörgang dennoch.

Denn „Eulogy For Evolution“ ist ein Kaleidoskop der Emotionen. Stück für Stück steigert sich in seiner Intensität. Nachdem die ersten vier Tracks ihre süße Wehmut ausgespielt haben, mündet Arnalds Sinfonie in „1953“, dem fünften Titel, in ein riesiges, donnerndes Crescendo. Böse Zungen wären der Ansicht, erst hier fange die Platte erst richtig an. Aber es passt alles ins Bild. Ohne mit der Brechstange arbeitend, wurde auf diesen dramatischen Höhepunkt hingearbeitet - nun ist der Weg für die ersten und zarten Hoffungsschimmer frei. Die Weisen drehen sich im Kreis, langsam, dann immer schneller. Und spätestens mit dem Einsatz der Drums findet man sich in einer der schönsten Wohlfühlmelodien des Jahres wieder. Doch der Höhepunkt ist hiermit keineswegs erreicht. Der wurde, wie kann es in einer derartigen Komposition auch anders sein, für den Abschlusstrack „3704, 3837“ aufgespart. Bedrohlich bauen sich die Streicher auf – die Finnen von Apocalyptica lassen grüßen, wären aber ebenso von dem, was nun folgt, vor Begeisterung paralysiert: In Schrammel-Manier überschlagen sich die Instrumente, die Drumsticks kennen kein Halten mehr, das Chaos übernimmt die Überhand. Denn ganz so klassisch geprägt ist Olafur Arnald dann doch nicht. Nebenbei spielt er in zwei Hardcore-Bands Schlagzeug. (Patrick Torma, CampusRadios NRW)

VÖ: 12.10.2007

Künstler: http://www.myspace.com/olafurarnalds

Anspieltipps

  • 0048, 0729, Track 2
  • 0952, Track 3
  • 3055, Track 6
  • 3326, Track 7
  • 3704, 3837, Track 8

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