Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 41/2013

Cover: Of Montreal - Lousy With Sylvianbriar

Of Montreal
Lousy With Sylvianbriar

Kevin Barnes, Zentrum von of Montreal, hat seine Truppe erneut um sich versammelt. Diesmal ging es darum, die Machenschaften von ihm und Toro Y Moi- sowie Deerhunter-Produzent Drew Vandenberg musikalisch umzusetzen. Die sahen wie folgt aus: Songs machen "with the way people used to make albums in the late 60s and early 70s". Gedacht, gemacht. Zumindest musikalisch: Der Opener "Fugitive Air" präsentiert sich in leicht countryeskem Gewand und auch die Riffs in "Belle Glad Missionaires" schielen ganz klar in die 60ies-Richtung und das nicht nur im Sinne eines zum Teil vernehmbaren Lo-Fi-Gestus.

 
Das bassdominante "Colossus" öffnet sich für eine Prise Psychedelic-Hauch und spätestens bei den süffigen Klavier-Arrangements auf "Amphibian Days" wird einem bewusst, dass der Ansatz einer Klangästhetik-Renaissance, wie sie momentan vor allem Foxygen verfolgen, perfekt zu dem traditionsgeschulten, aber immer offenen Stil von Barnes passen, für den wahrscheinlich selbst der jüngst erfundene Ansatz einer Einordnung namens "Psychedelic Country Pop" zu kurz greift, da hier nicht seine Vorliebe für Soul und Funk impliziert ist. Auch wenn auf "Lousy With Sylvianbriar" jene jedoch nur ansatzweise zu hören ist.
 
Eher geht es sequenzweise wieder ein wenig zurück zu den Roots, denn "She Ain´t Speakin Now" klingt durch das auffällig kompakte Gitarrengerüst mitunter nach Weezer, die Schrammelmomente phasenweise nach dem frühen Beck. Dennoch oder vielleicht gerade wegen dieser referenziellen Fixpunkte: "Lousy With Sylvianbriar" ist hochmelodisch geraten, nicht nur im ohrenschmeichlerischen "Obsidian Currents", das an Destroyer erinnert.
 
Wer der Platte aufgrund ihrer Soundästhetik vorschnell ein Hippie-Etikett aufpresst, sollte konzentrierter auf die Lyrics hören. "Colossus" beginnt trotz harmonisch verträumten Piano mit der Zeile "Your mother hung herself in the National Theater when she was four months pregnant with your sister." Barnes macht Gebrauch von einer Kontradiktorik, die ein nur oberflächliches Hören nicht adäquat erfassen kann. Vielleicht findet man genau hier eines der wenigen Stilmittel, dem die Band auch dieses Mal trotz aller Sound-Schwerpunktverlagerungen treu geblieben ist. Auch wenn man bei of Montreal mittlerweile vermuten kann, dass das Sich-nicht-treu-bleiben nur ein Modus des Sich-treu-bleibens ist. (Philipp Kressmann, CT das radio)

Anspieltipps

Obsidian Currents, #2
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She Ain't Speakin' Now, #8
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Triumph of Disintegration, #6
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Belle Glade Missionaries, #3
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Amphibian Days, #7
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