Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 28/2007

Albumcover

Nina Nastasia & Jim White
You Follow Me

Es gibt Alben, denen merkt man unmittelbar an, das sie aus reiner Leidenschaft entstanden sind. Aus dem unbedingten Wunsch, das innerste Gefühl in eine Sprache zu verwandeln, die sich Musik nennt. Und es gibt Musiker, die gar nicht anders können als genau das. Dazu gehören Nina Nastasia und Jim White.

Die amerikanische Sänger- und Songwriterin und der australische Schlagzeuger des Instrumental - Trios The Dirty Three kennen sich schon seit einigen Jahren. Als Studio - und Liveunterstützung begleitet Jim Nina nun schon geraume Zeit, was die Entscheidung zu einer richtigen Zusammenarbeit nahelegte. “It was Jim´s idea” verrät Nina also im Vorfeld zur Veröffentlichung der Platte, eine Aussage, die fast so was wie Verlegenheit oder Rechtfertigung vermuten lässt. Eigentlich unmöglich. Denn man kann dieser Platte einiges vorwerfen, aber eines muss man sicher nicht: Sich dafür rechtfertigen.

Wahrscheinlich ist es eher Ninas Bescheidenheit, die sie zu solch einer Aussage veranlasste. Oder der Erklärungsversuch, warum sie innerhalb eines Jahres gleich zwei Alben veröffentlicht (Ninas letztes Studioalbum, “On Leaving” erschien im September 2006). Einen Monat haben die beiden schließlich für die Aufnahmen gebraucht, letztendlich fertiggestellt wurde das Album von niemand geringerem als Steve Albini, der auf seine ganz spezielle, knochentrockene Art die Spröde in das Werk brachte.

Einen Vorwurf muss sich “You Follow Me” allerdings gefallen lassen: Nämlich den der Ambivalenz. Denn hier sind zwei Musiker am Werk, die sich nicht immer ergänzen, sondern auch schon mal widersprechen. Die nicht zwangsläufig an Harmonie und Einklang interessiert sind, sondern eher an echter Auseinandersetzung. Die immer wieder und konsequent ihren benötigten Raum einfordern – und auch einnehmen. Und so gibt Nina mit ihrem minimalistisches Gitarrenspiel und ihrer einzigartigen kühl-rauen Stimme, die zeitweise an die Intensität einer Beth Gibbons erinnert ("There Is No Train"), einen Rahmen vor, der von Jims Schlagwerk immer wieder durchkreuzt und gebrochen wird. Oder ist es umgekehrt? Schwierig zu sagen. Das rumpelige Schlagzeug folgt dem Gesang, der Gesang der Gitarre, die Gitarre dem Schlagzeug – You follow me. Das Ganze klingt manchmal verstörend, aber immer spannend, und wenn die beiden dann doch wie ein Zahnrad ineinandergreifen, so geschehen in “The Day I Would Bury You” und “In The Evening” – dann klingt es einfach nur noch überwältigend schön. “…I don´t believe… in the power…of love…” heißt es in “Our Discussion”. Doch, ich schon. Nach diesem Album erst recht. (Christa Herdering, hochschulradio düsseldorf)

VÖ: 01.06.2007

Künstler: http://www.myspace.com/ninanastasia | Label: http://fat-cat.co.uk/fatcat/artistInfo.php?id=108

Anspieltipps

  • Odd Said The Doe , 03
  • I´ve Been Out Walking, 01
  • The Day I Would Bury You, 04
  • In The Evening , 06
  • How Will You Love Me, 09

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