Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 14/2005

Albumcover

New Order
Waiting For The Sirens' Call

Was ist das Geheimnis einer Band, die es seit 25 Jahren schafft, immer noch Leute zu begeistern? Und immer mehr dazu zu gewinnen? „Wir wissen es nicht“, sagt Bassist Peter Hook nachdenklich. „Wir machen die Musik, die wir machen. Aber wahrscheinlich liegt es auch daran, dass wir uns vor nichts verschließen. Im Moment machen wir ein Projekt mit dem Produzenten von Girls Aloud. Das mag total bescheuert klingen, aber wenn wir in unserer kleinen Indiewelt bleiben, und auf alles andere heruntergucken, dann sind wir irgendwann auch nur eine langweilige Band, die sich nicht mal meine Großmutter anhören würde.“

Vier Jahre lang hatte man nichts von New Order gehört, und man fragte sich schon, ob es nun vorbei war mit der alten Legende aus Manchester. War der Ruf der Sirene oder Muse ausgeblieben? „Wir brauchten einfach Zeit“, sagt Bassist Peter Hook. „Ich hatte Depressionen und musste in Therapie. Und wenn man alt wird, wird man auch faul. Aber irgendwann haben wir die Kurve dann doch noch gekriegt.“ Und noch etwas hat sich bei New Order geändert. Für Gillian Gilbert ist jetzt Steve Cunningham an der Gitarre. Gillian will sich jetzt ihren Kindern widmen. „Waiting For He Sirens’ Call”, das neue Werk der Band ist auf keinen Fall langweilig.

Obwohl man nicht sagen kann, dass New Order sich jetzt plötzlich neu erfunden hätten, kriegt dieser altbekannte Gitarrensound gepaart mit Synthipop es immer wieder hin, dass man beim Hören mitsingt. Und wenn man dann am nächsten Morgen aufwacht, und nichtsahnend in der Dusche steht, geht das Gesumme gnadenlos weiter. Lieder wie „Guilt Is A Useless Emotion” oder der Titeltrack „Waiting For The Sirens’ Call” haben einen treibenden Beat, aber gleichzeitig knackige Gitarren und Peter Hooks unverkennbaren Basssound. „Die Bassisten sehen immer am Besten aus, und kommen am Besten an, und sind sowieso immer die besten!“, grinst Peter Hook, auf die Frage, warum gerade sein Bass New Order geprägt hat.

Die aus Manchester stammende Band musste sich schon oft anhören, dass sie es nicht schaffen würden. Als sie Mitte der 70er Jahre in Manchester unter dem doch nicht all zu unbekannten Namen „Joy Division“ ihren ersten Gig spielten, waren die meisten Kritiker doch eher skeptisch, was diese paar Jungs mit dem epileptischen Sänger Ian Curtis da eigentlich zu suchen hatten. Leider konnten Joy Division nie beweisen, was sie wirklich drauf hatten. Denn kurz vor ihrer US-Tour brachte sich Ian Curtis um. Nun standen Peter Hook, Steven Morris, Gillian Gilbert und Bernard Sumner da und wussten nicht weiter. Also machten sie eben als „New Order“ weiter. Auch als 1980 nach Curtis Tod „Love Will Tear Us Apart“ von Joy Division die Charts stürmte, konnte keiner glauben, dass nach seinem Tod noch irgendwas mit dieser Band zu holen war. Aber New Order veränderten den Joy Division-Sound, kreierten ihren eigenen, und mit Bernard Sumners Gesang bekam das Ganze einen weicheren melancholischeren Touch.

Und…siehe da! Es funktionierte. Mit „Blue Monday“ landeten New Order den wohl größten Beweis dafür, dass Indiemusik sich tatsächlich verkaufen lässt. Sie waren ein Teil der legendären Manchester-Ära, und ihr Club „Hacienda“ war zwar die größte Drogenhöhle, aber wohl auch der bekannteste Club Manchesters, wenn nicht ganz Englands. Es gibt wohl keinen Act, der dort nicht gespielt hat, der später mal in der Indieszene Rang und Namen gehabt hätte. Sogar Madonna gab sich dort mal die Ehre. Jetzt, 25 Jahre später, erinnert sich Peter Hook gern an die verrückte Zeit: „Klar war alles nur Drogen und Rock’n’roll! Aber wir wären nicht wir, wenn wir diese Zeit nicht erlebt hätten. Wir würden diese Musik nicht machen können! Warum sollen wir dann also irgendwas von uns verstecken oder verheimlichen wollen. Diese Zeit gehört zu uns, und ich denke gern daran zurück.“

New Order haben für die nächsten Monate schon so einiges geplant. Man merkt ihnen überhaupt nicht an, dass sie entweder schon 50 sind oder stramm drauf zugehen. Im Sommer stehen Gigs und Festivals an. Danach geht’s auch schon gleich ans neue Album, was spätestens Anfang nächsten Jahres erscheinen soll. Acht Songs sind schon fertig. Na da sind wir aber mal gespannt! (Amy Zayed, CampusRadios NRW)

Künstler: www.neworderonline.com

Anspieltipps

  • Krafty #4
  • Waiting For The Sirens’ Call #3
  • Told You So #5
  • Jet Stream Lover #8
  • Guilt Is A Useless Emotion #9

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