Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 28/2008

Albumcover

Mugison
Mugiboogie

Er ist ein Klischee-Zerstörer. Kaum fühlt man sich in der Assoziationshöhle wohl, da bröckelt auch schon die Wand. Unsere Island-Bilder von Gletscher, Sigur Rós, kargfelsiger Einöde und lustigen Trollen sind passé. Schuld ist Mugison mit Mugiboogie. Dieser Spielverderber. Schon der erste und namensgebende Song "Mugiboogie" beweist, dass aus Island auch ganz andere Klänge kommen können. Der Text: ein Softporno, der Beat: Ab auf die Tanzfläche, der Style: Irgendwie rockig.

Das Album ist irgendwie „indie“. Der Begriff beschreibt Musik ja auch ungefähr so eindeutig, wie die Aussage, dass alle Bäume irgendwie grün sind. Es fällt einem schwer das Album als Ganzheit zu beschreiben. Wir lassen das besser. Zumindest die Texte kann man alle mehr oder weniger unter dem Thema "Liebe" zusammenfassen. Dabei besingt Mugison auch gerne mal die körperliche Liebe. ("I love the way she is looking at me / like I was a fruit hanging in her tree", Mugiboogie). Generell scheint er auch eine Vorliebe für Glaube und alles was damit zusammenhängt zu haben ("Every performer is a preacher", The Pathetic Anthem oder auch schön "You said Jesus is a good name to moan / I love your moaning over the telephone - please perform", Jesus Is A Good Name to Moan). Naja, vielleicht nimmt er das ganze Kirchending auch nicht ganz so ernst...

Bei der Musik geht es uneindeutig weiter. Zum einen streicheln einem Violine, Cello und Glockenspiel über den Rücken und beim nächsten Lied wird dieser von sägenden Gitarren wieder zerkratzt. Statt Geysir-Fontänen: Galle spucken. Dass die Bässe dann noch übersteuert dröhnen, macht manche Songs nicht gleich verträglicher. Das Prinzip bleibt aber: Zarter Singersongwriter vs. Haudrauf-Geballer. Ersteres erinnert an Landsmann Pétur Ben, der auch seine Stimme und sein musikalisches Können bei einigen Liedern beigesteuert hat.

Auch Blues- und Swamprock, also die uramerikanischen Gitarrengenres, sind nicht weit entfernt. Verzerrt dröhnen die Klänge aus dunklen Untiefen und seine raue Stimme erklingt dazu, als ob er sie einem amerikanischen Wanderprediger geraubt hat. Bei den grollenden Songs muss man unwillkürlich an Marilyn Manson denken. Die Ähnlichkeit ist zumindest stilistisch da, weniger äußerlich. Es scheint, als sei Konzept des Albums, gegen alles und jeden und vor allem die Erwartungen zu spielen. „I’m Alright“ bricht auch dann vollends auseinander: Grunzende Vocals, monströses Schlagwerk – ein einziger akustischer Alptraum, bevor es dann im Text weitergeht, als sei nichts gewesen.

Dies alles wirkt authentisch. Der Blues eben. Das Zusammenspiel von Destruktion und akustischen Songwriterideen ist zerfahren und spröde - nicht eben leichte Kost und schon gar nicht zwingend für jeden. Aber auch wenn man die Musik oder den Künstler nicht mag, sollte man „Mugiboogie“ zumindest mal in der Hand gehalten haben. Da die Hülle, die wohl ungewöhnlichste der bisherigen Silberlinge diesen Jahres, ist. Aus schwarzen Leder oder präziser aus schwarzem Papier gefertigt, das wie Leder aussieht. Das Booklet ist aus feinem Papier mit kunstvollen schwarzweißen Drucken, die alle anzügliche Motive haben. Mugison wird sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. (Maleen Mohr, Radio Q)

VÖ: 27.06.2008

Künstler: http://www.mugison.com | http://www.cargo-records.de/de/p3208/a/34510/katalog.html

Anspieltipps

  • Mugiboogie, Tr. 1
  • Two Thumb Sucking Son Of A Boyo, Tr. 9
  • The Animal, Tr. 8
  • The Great Unrest, Tr. 10
  • To The Bone, Tr. 3

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