Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 41/2005

Albumcover

Muff Potter
Von Wegen

Manchmal muss man alte Fans etwas vor den Kopf stoßen, um selbst weiterzukommen: Wer Muff Potter noch aus frühesten Punk-Tagen kannte, der war sicher verwirrt, als er vor zwei Jahren "Heute wird gewonnen, bitte" hörte. Große Hymnen, zauberhafte Balladen mischten sich da mit dem, was die Band schon immer auszeichnete: ungehobelter Rock, voll auf die zwölf.

Jetzt heißt es, die Fans wieder einzufangen, die damals entwischten, und die neugewonnenen mitzunehmen. "Von wegen" hat da beste Chancen, denn das fünfte Album von Muff Potter verbindet all das, was die Band ausmacht. Ihre Songs entpuppen sich unter der Dreckkruste von Bratzgitarren und der Whiskey-Stimme von Sänger Nagel als Popsongs im besten Sinne und auch die Texte sind auf gewohnt hohem Niveau.

Die Lust am Wortspiel vergeht den Münsterländern auch dann nicht, wenn sie etwa in "Punkt 9" gegen ein neues deutsches Nationalgefühl wettern ("Ob Du wirklich richtig stehst, merkst Du, wenn dir ein Licht aufgeht"), oder in "Den Haag" nüchtern das Ende einer Beziehung bilanzieren. Wobei "nüchtern" bei Muff Potter das falsche Wort ist, denn diese Platte kann den Hörer schnell freudetrunken zurücklassen. So viele Sätze, die man noch auf Klowände, Schultische oder Armeerucksäcke kritzeln müsste, so viel Wahrheit in den Songs, die aber doch nie altklug klingen. Augen schließen, Augen öffnen und mitrgrölen.

Wem Madsen zu pubertär und Kettcar schon zu etabliert sind, der ist bei Muff Potter an der richtigen Stelle. Aber wieso nicht mal über den Tellerrand gucken? Muff Potter sind mehr als "die deutschen Hot Water Music", sie klingen wahlweise auch mal nach Jimmy Eat World, Placebo oder The Libertines. In erster Linie aber immer noch nach sich selbst: Die Musik kommt wie ein Kinnhaken von unten und die Texte nehmen einen in den Arm. Und: "Wenn die Liebe ein Schlachtfeld ist, dann ist das hier dein Den Haag". (Lukas Heinser, CT das radio)

Band: www.muffpotter.net | Label: www.hucksplattenkiste.de

Anspieltipps

  • Allesnurgeklaut, #1
  • Den Haag, #12
  • Born Blöd, #11
  • Von Wegen (Aus Gründen), #6
  • Punkt 9, #4

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