Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 18/2010

Albumcover "Small Fry"

Mr. Day
Small Fry


Soulmusik ist ein abgeschlossenes Kapitel der Musikgeschichte. Fast alles, was nach der Hochzeit in den 60er Jahren erschienen ist, ist bloßes stilistisches Zitat. Dass das nicht schlecht sein muss, haben besonders in den letzten Jahre immer wieder Künstler bewiesen: Jamie Lidell, Mayer Hawthorne, Amy Winehouse oder die zuletzt erfolgreich auch in den deutschen Albumcharts vertretene Sharon Jones mit ihren Dap-Kings. Alle genannten setzen dabei auf unterschiedliche Herangehensweisen: Sharon Jones schickt ihre Songs auf eine Zeitreise, lässt sich knarzen und ein bisschen blechern scheppert. Mayer Hawthorne hingegen versuchte es etwas frischer und zeitgemäßer, was sein letzjähriges Album anschmiegsam wie ein Kashmir-Pullover machte.
 
Ähnlich entspannt musiziert auch Eric Dupperay alias Mr. Day: Soulstimme und funky Beats - das sind die Grundelemente seines ersten Soloalbums "Small Fry", das ganz sicher auch Verfechter der Souloriginale zufrieden stellt. Der Einfluss seiner Arbeit als Sänger und Gitarrist für die Reggae-Combos Dynamics und Metropolitain Jazz Affair nicht unbemerkt. Neben den klassischen Funksounds von E-Gitarre, Bass, Streichern und Klavier, gesellen sich unter anderem Trompeten und Orgeln hinzu. Dadurch wird die Platte zu einer Melange unterschiedlicher Einflüsse und Klänge. So findet man auf "Small Fry" nicht nur gängige Funknummern, die original den 70ern entsprungen sein könnten, sondern auch Reggae-, Gospel -Einflüsse. Erstaunlich gut gelingt es dabei Mr. Day, die Genres nahtlos miteinander zu verknüpfen. „If I Can’t Love You“ versprüht im gesetzten Balladentempo eine erste Duftmarke, „Tears Of Joy“ shakert mit offen zur Schau gestellter Freundlichkeit vorbei und mit „Heaven Knows“ und „Soul On Wax“ gibt es sogar auch kleine Hits zu verbuchen. Der Beat-Band-Klang ist dabei warm und gefühlvoll, sogar dann noch, wenn in latente Swing- und Jazzgefilde gedriftet wird, die hier wie angegossen sitzen. Drei Coversongs gibt es zu bestaunen, die im Oevre des Franzosen gar nicht als Fremdkompositionen auffallen und ganz und gar unpeinlich geraten sind. 
 
 Neben den schnellen Nummern auf "Small Fry", gibt es jedoch auch viele ruhige Soulnummern, bei denen man einfach mal den Kopf ausklinken kann - die Frühstücksbrötchen schmieren sich mit dieser nostalgischen Retromischung sowieso von ganz alleine. Zusammengehalten werden die insgesamt 14 Tracks durch die Stimme des Franzosen, der sich Mühe gibt, mal weicher, oder rauer und souliger zu klingen. Dass Mr. Days Stimme dabei nicht ganz so dunkel, variabel und mysteriös klingt wie von vielen seiner afroamerikanischen Kollegen, ist zu verschmerzen – als Bleichgesicht macht er seine Sache außerordentlich gut und verleiht „Small Fry“ eine wohlschmeckende Portion Unbekümmertheit. Es kommt also nicht von ungefähr, dass der Franzose schon des Öfteren als einer der besten weißen Soulsänger geadelt wurde. Und was die fehlenden Eigenheiten betrifft: Die werden von der Masse an Songs mit Klasse sowieso in den Hintergrund gepresst. Mit ganz sanftem Nachdruck. (Vanessa Vaughn, CT das radio | Markus Wiludda, eldoradio*)

VÖ: 30.04.2010

Künstler: Myspace | Label & Albumstream: Favorite

 

Anspieltipps

  • Tears Of Joy, Track 01
  • Soul On Wax, Track 07
  • Heaven Knows, Track 09
  • Get It On, Track 12
  • Don´t You Stay Out Tonight, Track 05

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