Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 27/2003

Albumcover

Mother Tongue
Ghost Note

Wie muss eine Band gestrickt sein, dass man sie "authentisch" nennt? Woran erkennt man, ob es glaubwürdig, oder aufgesetzt wirkt, wenn Künstler mit coolen Produzenten oder angesehenen Musikerkollegen zusammen arbeiten? Vielleicht erkennt man es daran, wie die Band sich gibt. Und ob sie Musik ernst nimmt.
Mother Tongue nehmen Musik ernst. Und die Freundschaft. Denn "Ghost Note", das dritte Werk der Vier klingt nach einem Lobgesang auf die Freundschaft.

Die Band aus L.A hat alle erdenklichen Tiefen hinter sich. Löste sich nach ihrem Debüt 1996 einfach auf, um im vergangenen Jahr mit "Streetlight" ein Comeback zu starten. Aus Freunschaft untereinander und aus Freundschaft mit der Musik, die sie machen. Wer die Band schonmal live gesehen hat, weiß, wieviel Energie und Herzblut in einem Auftritt steckt.
Mit "Ghost Note" ist es dem Quartett gelungen, ihr Live-Gefühl auf Platte zu pressen. Das mag nach einer abgegriffenen Phrase klingen, aber hier macht dieses Gefühl eben die Band aus. Das neue Albums klingt wie ein entspannter Proberaum-Jam unter Freunden, bei dem wie zufällig fantastische Musik zwischen Blues und Rock entsteht. „Wie dieses Live-Gefühl, das Mother Tongue ausmacht auf Band klingt - das war eine ganz neue Welt für mich.“, kommentiert der neue Schlagzeuger Sasha. Diese neue Welt ist intensiv, inspiriert und ehrlich. Mother Tongue sind ehrlich zu sich, zu ihrem Publikum und in ihren Texten. Die reflektieren meistens die eher unschönen Seiten des Lebens, sind aber meistens in ein musikalisches Gewand aus positiver Energie gekleidet. Das funktioniert. Nebenbei klingen Mother Tongue damit unverwechselbar. Die Gitarren, den Beat, vereint mit der variablen Stimme von Sänger Davo Gold, multipliziert mit dieser erstaunlichen Energie, das macht so niemand nach und hat auch so keiner vorgemacht. Dabei liegen die Grenzen höchstens da, wo die eigene Kreativität der Band aufhört, ansonsten reichen die Bezüge dieses Albums von Black Flag bis Johnny Cash. Kein Wunder, dass sowas zwar nicht nach dem klingen kann, was gerade angesagt ist, aber ist das schlimm, wenn man eine solche Fülle an Melodien, Authenzität und Energie geliefert bekommt, sobald man die CD in den Player legt?

Nach "Streetlight" war klar, dass danach noch etwas kommen musste. "Ghost Note" setzt seinen Vorgänger würdig fort und obwohl mit "Ghost Note" die kaum hörbaren Töne, das "Zwischen-den-Zeilen" in der Musik gemeint ist, hinterlässt die Platte Spuren. Und macht sich hörbar.

(Text: Laura Scheiter, c.t. - das Radio)

KÜNSTLER: www.mothertongue.net / LABEL: www.noiseolution.de

Anspieltipps

  • Dark Side Baby 1
  • Alien 3
  • That Man 5
  • Missing 7
  • Helicopter Moon 8

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