Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 17/2006

Albumcover

Morning Runner
Wilderness Is Paradise Now

Eigentlich hatte Sänger Mathew Greener keinen Bock mehr in einer Band zu spielen. Abgestellt als Schlagzeuger einer namenlosen Kapelle schneiderte er ihnen Texte ins Mikro und erntete doch nur abfällige Blicke. Frustriert schien nur noch eine Solokarriere einen Ausweg zu bieten. Ein Konzerttermin war in Blitzeseile gefunden, aber ein Schlagzeuger und Sänger im Alleingang? Also trommelte er vier Kommilitonen aus der Uni in Reading zusammen, von denen er wusste, war dass sie auch gern Musik machten und früher mal in Bands gespielt hatten. Sie kannten sich zwar kaum, aber der Gig formte sie zu einer richtigen Band.

Morning Runner sollten sie heißen und die „Frische“, das „Vitale“ und das „Weglaufen“ nicht nur im Namen haben. Weil einfach nichts los ist in der Provinz und weil Reading eines des größten Rockfestivals der Insel beherbergt, wo einmal im Jahr die Zeit für große Gesten und laute Gitarren anbricht, ist der Wunsch nach Erfolg umso größer. Kein Wunder also, dass die allererste Single einen programmatischen Titel hat: „The Great Escape“.

Mit ihrem Debüt „Wilderness Is Paradise Now“ legen sie kurzerhand die Messlatte nach ganz oben. „Das Paradies kann auch etwas Rohes, Ungeschliffenes sein!“ erläutert Sänger und Songwriter Mathew Greener. „Perfektionismus muss nicht immer künstlich und aalglatt sein!“. So ganz hat er seine Vorstelllungen nicht umsetzen können – hört man doch jederzeit das gewisse Harmoniebedürfnis, das Major-Produktionen ausstrahlt und die Melancholie, die jedweden Klang umschmeichelt. Der obligatorische Schuss Klaviermelodien und Streicherharmonien leistet da nur noch den Endschliff. So klingt Britpop 2006.

Und dennoch unterscheidet sich das Album vom überladenen Pathos der aktuellen Coldplay, vom Süßstoff geschwängerten Sound Starsailors, von den mediokren Songs von Keane. Weniger in der eigentliche Sache, vielmehr im Detailreichtum und seiner Varianz. Ungestüme Uptempo-Racker, erwachsene Wehmutstropfen und Herzflimmerballaden für die melancholische Seele - das komplette Pop-Spektrum wird auf „Wilderness Is Paradise Now“ ausgeschöpft, ohne dass das Album in Beliebigkeit abdriftet. Die äußerst variable Stimme des jungen Matthew Greener passt sich dabei den Stimmungsfarben perfekt an. Mal schwelgt Mathew Greener träumerisch davon, dass das Beste für sein Mädchen gerade gut genug sei, um nur kurze Zeit später seinen Frust über die Liebe rauszurotzen, als käme er nie auf den Gedanken melancholische Lieder zu singen.

Gute Vorraussetzungen also, um aus den Fußstapfen der Referenzbands zu treten und eigene zu hinterlassen. (Markus Wiludda, eldoradio* mit Amy Zayed, CampusRadios NRW)

Künstler: http://www.morningrunner.com

Anspieltipps

  • Burning Benches, #4
  • Oceans, #6
  • The Great Escape, #7
  • Punching Walls, #9
  • Be All You Want Me To Be, #8

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