Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 46/2013

Cover: Mooryc - Roofs

Mooryc
Roofs

Mooryc aka. Maurycy Zimmermann aus Poznań liefert auf seinem Debüt "Roofs" Electronica voll auf den Punkt. Der Pole, mittlerweile Wahlberliner, gibt sich sehnsüchtig, melancholisch und morbide; ohne dabei zu weit abzuschweifen. Eine dichte und spannende Produktion mit poptypischen Dreieinhalb-Minuten-Laufzeiten, die besonders auf den vokalen Tracks mehr als überzeugt.

Mooryc machte Mitte 2012 erstmals mit einer 2-Track-EP auf sich aufmerksam, die aber nur bedingt als Vorbote für die jetzt aktuelle Veröffentlichung dienen kann. Näher an "Roofs" kommt da schon Zimmermanns Projekt "Eating Snow", doch ist Mooryc eine düstere Steigerung seiner Vorbereitungsprojekte.

Der instrumentale Opener "Open It" hätte so oder so ähnlich auch auf dem abgefeierten Soundtrack der ästhetischen Gewaltorgie "Drive" stattfinden können. Der nahtlose Übergang in "Jupiter" lässt erstmal erahnen, dass dieses Debüt insgesamt weniger elektronisch ist, als das Intro verspricht. Die Gitarrenpicks, die dabei stark an Yoavs "Adore Adore" aus 2007 erinnern, harmonieren wunderbar mit Moorycs Gesang und einem unterstützendem Klavier. Der Track schafft dabei eine Balance zwischen Optimismus und Unbehagen, die sich so auch nur hier findet. Doch hoffnungslos wird es auf "Roofs" nie.

Vielmehr bietet Mooryc verschiedene Facetten von Düsternis. In der Folge überzeugt "Fallin' Freely" als deepe, sphärische Uptempo-Nummer, bei der die düstere Stimmung des Albums noch durch ein leichtes Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit überlagert wird. "Bless Me" wartet darüber hinaus noch mit einer klaustrophobischen Note auf, die von einem schleppendem Beat getragen wird. Trauernd kommt "Powerless" daher: Eine Retrospektive auf eine Beziehung, die besonders mit einem hymnischen Ausbruch gen Ende an Fahrt gewinnt. 

Nicht nur die Produktion kommt dabei immer genau auf den Punkt, sondern auch textlich ist "Roofs" präzise und minimalistisch. Die Texte sind dabei gerade so vage und reduziert, um dem Hörer die größtmögliche Projektions- und Identifikationsfläche zu bieten. Mooryc selbst hat seine Motivation ein Album zu produzieren übrigens mit den Worten "I wanted to see if I can make it" begründet. Dies darf ohne Wenn und Aber mit "Ja" beantwortet werden. (Paul Crone, eldoradio*)

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Anspieltipps

Jupiter, #2
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Bless Me, #3
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Seperate Directions, #7
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Fallin' Freely, #6
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Powerless, #4
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