Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 07/2007

Albumcover

Of Montreal
Hissing Fauna, Are You The Destroyer?

Die Überraschung tragen sie schon im Bandnamen. Of Montreal kommen aus keiner angesagten kanadischen Metropole, sondern vielmehr aus der selben Stadt wie R.E.M., nämlich Athens im US-Bundesstaat Georgia. Da hören die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Bands aber auch schon auf. Während sich R.E.M. mittlerweile zum Stadionrock entwickelt haben, machen Of Montreal verwunschene Popmusik. Der Mastermind des ganzen, Kevin Barnes - der den größten Teil des Albums alleine eingespielt hat, verarbeitet in den Lyrics die Geschehnisse, die ihn zu dieser Zeit besonders beschäftigt haben. Themen wie Selbstmord, Depressionen und Isolation. Aber statt in Schwermut zu ertrinken, feiern Of Montreal mit all ihren Synthesizern, den Drummaschinen und Uuuhhhs und Aaahhhs eine große Party.

Musikalisch schlagen Of Montreal auf ihrem mittlerweile sechsten Album "Hissing Fauna, Are You The Destroyer?" einen Weg ein, der den geneigten und interessierten Hörer auf eine Art Zeitreise mitnimmt. Mal findet man sich im Britannien der 60er/70er Jahre in Plateaustiefeln und Schlaghose wieder, um dann in der nächsten Kurve dem New-Wave Sound der 80er inklusive hochtoupierten Haaren, Stirnband, Neonleggings entgegengeschleudert zu werden. Bei "A Sentence Of Sorts in Kongsvinger" (fast rechtfertigt alleine die Trackliste zum Kauf des Albums…) tanzt ein imaginärer John Travolta mit weißer Schlaghose und bauchnabelfreiem Ausschnitt sein „Saturday Night Fever“, das luftige „Faberge Falls For The Shuggie“ kastrieren Bee Gee-Gesangslinien. Zwischendurch wird noch ein Happen vom Buffet des Psychedelic Rock stibitzt und eine Prise Beach Boys geschnupft. Fertig ist eine beeindruckend versponnene, abwechslungsreiche und tiefgehende Lo-Fi-Indie-Platte, in der von Pop bis Wave, von Disco bis Funk alles drin ist. Und das alles gleichzeitig.

Ein besonderes Highlight bildet das zentrale, fast zwölf epische Minuten lange und hymnische "The Past Is A Grotesque Animal". Der Song baut sich ganz allmählich auf und fesselt durch seine Intensität und man erwartet jeden Augenblick, dass der Höhepunkt erreicht wird und der Song explodiert und seine ganze Energie freisetzt. Doch weit gefehlt. Es gibt keinen Höhepunkt, vielmehr bildet der ganze Song in sich den geschlossenen Höhepunkt. Zwischen all dem musikalischen Detailreichtum bleibt aber selbstredend auch noch Zeit für gelungene Textzeilen („I spent the winter on the verge of a total breakdown while living in Norway / I felt the darkness of the black metal bands”, was „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“ zu einem inspirierten und besonders hörenswerten kleinen Meisterwerk voller Hymnen macht, was hoffentlich einige Liebhaberherzen zum Akkordschlagen bringen wird... (Steffen Lehmann, Radio Q)

VÖ: 16.02.2007

Band: http://www.ofmontreal.net | Label: http://www.polyvinylrecords.com | Albumstream: http://www.polyvinylrecords.com/hissing

Anspieltipps

  • Heimdalsgate Like A Promethean Curse, # 4
  • Suffer For Fashion, # 1
  • Gronlandic Edit, # 5
  • A Sentence Of Sorts in Kongsvinger, #6
  • She´s A Rejector, # 11

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