Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 29/2013

Albumcover

Moderat
II

Nach dem Tolstoi-Theater-Trip hat sich Sascha Ring aka Apparat wieder mit den deutschen Technohelden Modeselektor verabredet. Runter von den Schlachtfeldern der Weltliteratur, zurück in die elektronischen Naturgewalten. Nun erscheint das Album, das ein großer Teil der Electronika-affinen Szene lange begierig erwartet hat. 

Deutschlands elektronische Supergroup scheint sich dessen bewusst zu sein. Eröffnet wird "II" mit Spannungsaufbau-Interlude. Es folgt die erste Singleauskopplung "Bad Kingdom." Ein knarziges Synthie unterfüttert Rings feinfühlige Stimme (die in anderen Kompositionen aber auch mal extrem gepitcht wird), welche sich über verschlungene Beatgeflechte dehnt. Der extreme Kontrast von der Apparat'schen Sensibilität und der eher offensive Ansatz von Modeselektor, der das Debüt durchfloß, wird hier versiert ins Gegenteil verkehrt. 

Die Kompositionen wirken stilistisch sehr geschlossen, die einzelnen Songentwicklungen behutsam. "Versions" etwa oszilliert zwischen gediegenem Ambient und Elektropop, neben die Beats schmiegt sich hier auch noch ein Drumkit. "Therapy" beginnt leicht schwermütig, lässt zum Schluss aber auch technoide Elemente durchschimmern. Auf "Gita" vernimmt man einen pulsierenden Dub-Bass sowie flirrende Effekte auf dem stark in die Länge gehenden Instrumental "Milk" konvergieren hallige Breakbeats, die sogar ein wenig Richtung Hip Hop schielen. Das scheint dann wieder ganz der progressive Ansatz von Modeselektor zu sein, die noch nie Angst vor Berührungen mit anderen Genres hatten, wie "Monkeytown" eindrucksvoll bewies.

Geliefert werden keine satt überproduzierten Kracher, wie man sie aus Deutschlands Hippster-Mekka eventuell erwarten hätte können. Einzelne Passagen klingen durchaus wie elektrifizierte Fortsetzungen von Apparats "The Devil's Walk": schwermütig und eher introvertiert. So wirken auch die Effektteppiche vom großartigen "Damage Done" entschleunigend, Songgerüste generell oftmals ein wenig skelettiert. Zu verknotet erscheinen dennoch vereinzelt die dichten Arrangements, die es erst einmal zu überblicken gilt. Und doch ereignet sich kompositorisch unfassbar viel, man lausche da nur einmal dem Schlusslicht "This Time" mit Konzentration. Modeselektor ist ein Album gelungen, das sich anschmiegt und im Detail als sehr facettenreich entpuppt. (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

Therapy, #6
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Let In The Light, #4
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Gita, #7
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Bad Kingdom, #2
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This Time, #1
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