Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 20/2003

Albumcover

Miles
Don't Let The Cold In

Drei lange Jahre musste man auf ein neues Album der "Kilometer" aus Würzburg warten. Und das Warten hat sich gelohnt. Mit "Don´t let the cold in" legen Miles ihr bisher bestes Album vor. Und die Pause hat der Band scheinbar sehr gut getan. Nach dem eher Disco-Glam-lastigem, selbstbetiteltem Vorgängeralbum herrscht bei "Don´t let the cold in" eher eine musikalische Rückbesinnung auf die Wurzeln vor. So kraftvoll muss Musik klingen, um richtig begeistern zu können. Hier ist Indie-Pop noch Programm, und keine hohle Floskel. Weniger Spielereien, statt dessen wieder geradeaus rockend. Verzerrte Gitarren, doch dank des Gesangs entsteht nie das Gefühl, es mit einer der vielen derzeit so angesagten "The"-Bands zu tun zu haben. Gefühlvoll und doch mitreissend. Der Gesang von Frontmann Tobi verleiht jedem Titel seine ganz eigene Seele. Die Produktion ist ordentlich heruntergeschraubt worden, und verleiht dadurch jedem einzelnen Instrument mehr Gewicht. Man könnte es fast mit einer Anfänger-Band zu tun haben, so strotz das Album nur voller Spielfreude.

In den drei Jahren ist bei Miles aber auch viel passiert. Zu der allgemeine Panik-Stimmung in der Musik-Branche braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren, und so zog sich auch das alte Label von Miles aus den Verträgen mit der Band, gefolgt von juristischen Streitereien. Die Band hatte eine Zerreiß-Probe zu bewältigen; die mit dem Weggang des Bassisten endete. Doch Tobi (voc, git), Gilbert (git) und Ronny (dr) fanden Ersatz in Nina. Mit neuer Bassistin kam vielleicht auch das Gefühl eines Neuanfangs auf, was die Spritzigkeit des Albums erklären könnte. Mit Nois-O-Lution wurde auch ein neues Label gefunden. Also alles Zurück auf Anfang und nochmal ordentlich durchstarten.

DIe neue musikalische Richtung von Miles gibt direkt der Opener der neuen Platte vor. "Don´t give up" hat nichts mehr mit der letzten Platte gemeinsam, hier wird gnadenlos nach vorne gerockt. "Give it away" könnte auch von einer Post-Punk-Band stammen, selten hat Tobi mehr Wut in seine Stimme gelegt. Hier wird Pop noch mit dem Zusatz "Power-" versehen. "Magic" versprüht genau, was der Titel verspricht. Bei dem fröhlichen "Teenage Dreams" könnte man schon fast etwas beschämt sein, dass man genau aus dieser Zeit schon längst raus ist (zumindest der Autor, andere Teenies können vielleicht doch noch zum Träumen kommen!) "Teenage Dreams" ist übrigens die erste Single vom aktuellen Album in Japan gewesen und schaffte es dort sogar in die japanischen Radio Top Ten. Der gleiche Erfolg ist hoffentlich auch der deutschen Single-Auskopplung "Stranger" in hiesigen Landen beschert. Bei dem schon fast Stadion-Atmosphäre verströmendem Refrain liehen dann auch namhafte Kollegen ihre Stimmen aus, so u.a.: Readymade, Slut, Virginia Jetzt! und Crash Tokio.

"King of the Bees", welches sich auch auf dem Soundtrack zum Film "Soloalbum" befindet, lässt schon fast beatlesken Einschlag erkennen. Neben all der rockigen Seiten haben Miles aber auch ihre ruhige Seite weiter ausgebaut, so das zerbrechlich wirkende "Silverspoon" oder der getragene Titel-Track. Und vor allem haben Miles ihr (ruhiges) Meisterwerk in Form des wunderschönen Songs "Menlo Park" abgeliefert.

"Don´t let the cold in"? - Was für eine Aussage! Wer bei diesem Album auch nur einen Hauch von Kälte verspürt, hat keine Seele oder einfach keinen Sinn für Pop. Das einzige Anzeichen von Kälte sind höchstens die vereinzelten Schauer, die einem über den Rücken laufen. Miles werden von Album zu Album immer besser. Da kann man nur hoffen, dass sie noch viele nachliefern werden. Ich bin gespannt und genieße solange die aktuelle Platte. Der Sommer kann jetzt gerne kommen! Mit diesem Album bin ich bestens gerüstet!

(Text: Joachim Link, Radio Q)

KÜNSTLER: www.miles-music.com / LABEL: www.noisolution.de

Anspieltipps

  • Stranger (Track 5)
  • Give It Away (Track 6)
  • Teenage Dreams (Track 3)
  • Magic (Track 10)
  • King Of The Bees (Track 4)

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