Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 20/2013

Albumcover

Mikal Cronin
MCII

Der Frühling ist die perfekte Zeit für Veränderungen und Neuanfänge, da man mit den ersten Sonnenstrahlen auf der Haut meist einen unbändigen Tatendrang verspürt. Dass solche Veränderungen jedoch stets neue Herausforderungen und Probleme mit sich bringen, weiß auch Mikal Cronin, der sich auf seinem zweiten Album „MCII“ – von den vielen neuen Möglichkeiten verunsichert – als Suchender präsentiert. Wer dagegen noch nach dem perfekten Soundtrack für den Frühling und Sommer 2013 sucht, kann sich entspannt zurücklehnen und die zehn detailreichen Power-Pop-Songs auf „MCII“ genießen.

Natürlich kann man nicht neu anfangen, ohne irgendetwas anderes zu beenden oder hinter sich zu lassen. Und so handelte Mikal Cronins selbstbetiteltes Debütalbum vor knapp zwei Jahren genau von diesen Abschieden. Er beendete zu dieser Zeit das College, seine Beziehung ging in die Brüche und er zog von Los Angeles nach San Francisco. Als Teilzeit-Mitglied der Liveband von Ty Segall und nach der Split-LP „Reverse Shark Attack“ (2009) mit dem Indie-Shootingstar zählte man ihn sowieso längst zu der Garagenrock-Szene der Bay Area. Segall gehört mit seinen beiden Gitarren-Soli für „Am I Wrong“ und „I’m Done Running From You“ auch zu den wenigen Gastmusikern auf „MCII“ – den Großteil des Albums hat Cronin komplett alleine eingespielt und sogar einige Streicherarrangements selbst komponiert.

Nun weiß man nicht erst seit Hesse, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt und so strotzen die meisten Songs des Albums, zum Beispiel „Shout It Out“ oder der krachende und passenderweise „Change“ betitelte sechste Song, zumindest beim ersten Hören vor Spielfreude und positiver Energie. Doch spätestens bei „Am I Wrong“ spürt man, dass Cronin von diesen Veränderungen verunsichert ist, auch wenn er die zweifelnde Frage „Am I wrong?“ im Refrain mit einem selbstbewussten „I don’t think so“ abzuschmettern versucht. Lange gelingt es Cronin allerdings nicht, diese Zuversicht aufrechtzuerhalten, stattdessen wird er bereits zwei Songs später wieder von Zweifeln übermannt: „And I want to say that I’m on my way/ but I can’t find that peace of mind“ („Peace Of Mind“).

Zumindest musikalisch befindet sich Cronin auf dem richtigen Weg und mit „MCII“ könnte ihm endlich der Schritt aus dem Schatten des bekannteren Kumpels Ty Segall gelingen. Nach eigenen Angaben hat sich Cronin seit seinem Debüt ausgiebig mit Arrangements beschäftigt, die zehn Songs seines neuen Albums bestechen deshalb durch enormen Detail- und Variantenreichtum. Zwar tritt Cronin im Refrain von Songs wie „Weight“ oder „Shout It Out“ meist ordentlich aufs Fuzz-Pedal und verlässt sich ganz auf die mitreißende Wirkung seiner Melodien, doch zwischen diesen Ausbrüchen vollziehen die Songs oft unerwartete Wendungen. Mit den drei ruhigeren Stücken auf „MCII“ schlägt Mikal Cronin dagegen je ganz andere Wege ein: „Peace Of Mind“ klingt dank Slidegitarre und Violinen-Solo nach Country, die intime Akustikballade „Don’t Let Me Go“ hat Cronin in der eigenen Wohnung aufgenommen und das abschließende, tieftraurige „Piano Mantra“ basiert auf einer simplen Klavier-Figur, die Mantra-artig wiederholt wird und zu der sich nach und nach Streicher, Schlagzeug und Gitarre gesellen. (Daniel Welsch, mit freundlicher Unterstützung von AUFTOUREN)

Anspieltipps

Weight, #1
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Peace Of Mind, #5
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I’m Done Running From You, #7
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See It My Way, #4
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Am I Wrong, #3
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