Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 36/2007

Albumcover

M.I.A.
Kala

„Galang Galang, Alta!“, brüllt das Mädel den Tanznachbarn an. Die Arme vor der Brust angewinkelt, den Brustkorb im Rhythmus vor und zurück geschwungen. Die Beine locker angewinkelt und leicht geöffnet, ab und an mal stampfend. Dazu die elegant-verspielte Bewegung von Bauch und Hüfte. Was bei M.I.A. noch hinzukommt: Die neckische Links-Rechts-Kopfbewegung im Hindu-Style. Ein richtiger Hingucker, meine Herren... „Galang Galang, Alta!“ etablierte sich zu Zeiten des Debütalbums „Arular“ von M.I.A. alias Maya Arulpragasam. Im April 2005 sorgte die britische Künstlerin mit einer Mischung aus Dancehall, Elektro, Grime und Bollywood-Samples für riesen Furore. Nicht nur in Englang, sorry, England, sonders bis weit über den Großen Teich hinaus. Seitdem klingt „Galang Galang, Alta!“ auch nach Bonde Do Role, dann mal nach Peaches, manchmal auch nach Bunny Rabbit, Spank Rock, natürlich auch nach Timbaland und Diplo. Letzterer hat eine lange Zeit mit Maya im Studio verbracht und an den Knöpfen gesessen. Nicht nur bereits bei „Arular“, sondern auch bei ihrem zweiten, aktuell erschienenen Album „Kala“. Der Track „XR2“ schreit förmlich nach Diplo: Hektische Horns aus der Maschine mit einem Touch südamerikanischem Favela-Beat. Den Rest haben wir größtenteils dem britischen House-Produzenten, DJ und Remixer und Dave Taylor alias Switch zu verdanken.

Die mittlerweile 30-jährige gebürtige Engländerin hing in früheren Zeiten aber nicht nur in Londoner Elektro-Schuppen ab. In ihren Ursprüngen ist sie stark beeinflusst von jede Menge Hip Hop à la Public Enemy und N.W.A. Der „Attitude“-Charakter ist in ihrer Musik subversiv wie offensiv vorhanden. Rotzfrech klingt ihr Sprechgesang, ein Slang-Mix aus Tamilisch, Cockney und Amerikanisch. Anmutig und erwachsen ist sie dennoch allemal. Für ihre Tracks verwendet sie neben indischen Film-Samples und Marktplatzlärm mit Hühnerflattern auch jede Menge Schüsse und andere Geräusche rund ums Gewehr. Es wäre zwar platt, deswegen direkt auf Mayas Kindheit zu schließen, doch man kommt womöglich nicht drum herum.

M.I.A. („Missing In Action“/Militärterminus) hat ihre Kindheit teilweise in Sri Lanka und Indien verbracht. Diese Zeit war durchdrungen von Terror und Todesangst. Ihr Vater, Kampfname: Arular, beteiligte sich schon damals aktiv am Kampf zwischen der Sinhalese-Bevölkerung und der tamilischen Minderheit, der nunmehr seit 25 Jahren andauert. Als Mayas Mutter bemerkte, unter welcher Angst ihre Kinder wachsen, floh sie mit ihnen schließlich nach England. Doch im East End Londons hört die Angst nicht auf. Ständig wurden Maya und ihre Familie mit offenem Rassismus konfrontiert. Aus dieser Angst gewinnt sie schließlich an Stärke. Sie achtet noch heute auf chaotische Zustände, die ihr fast täglich Angst machen. Diese Angst hält sie am Boden und gibt ihr die nötige Inspiration für ihre Songs und ihre Kunst. Doch so ein Lebenslauf kann einem die Arbeit durchaus erschweren, gar behindern. Die längerfristig geplante Zusammenarbeit mit Timbaland für „Kala“ platzte, da sie kein Arbeitsvisum für die USA bekam, sondern lediglich ein Jahresvisum. Das reichte zumindest für den, stiltechnisch ziemlich aus der Reihe springenden Track „Come Around“. Vielleicht war´s auch besser so. Ansonsten sind mehr oder weniger unbekannte Künstler auf „Kala“ zu hören. In „Hussel“ featured M.I.A. den nigerianischen Rapper African Boy und der bringt gleich diverse Afro-Drums mit. In „Mango Pickle Down River“ zieht sie weiter nach Australien. Dort rappen für sie The Wilcannia Mob, samt Didgeridoo. Und in „Paper Planes“ hat sie ein The Clash-Sample versteckt. Welches, das müsst ihr schon selber raten. Zusammenfassend ist „Kala“ um einiges kunterbunter und anstrengender als der Vorgänger. „Galang Galang, Alta!“. (Emel Ilter, hochschulradio düsseldorf)

VÖ 24.08.2007

Künstlerin: http://www.miauk.com | Label: http://www.xlrecordings.com

Anspieltipps

  • Boyz, 03
  • Bamboo Banga, 01
  • XR2, 10
  • Come Around, 12
  • World Town, 08

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