Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 11/2014

Cover: Metronomy - Love Letters

Metronomy
Love Letters

Vor drei Jahren lieferten Metronomy mit „The English Riviera“ das fast perfekte Pop- Album ab. Feine Experimente unterfütterten die großartigen Melodien und machten die Band endgültig für alle zugänglich. Für den eher elitären Kreis von alten Fans genauso wie für jene, die Musik hauptsächlich nebenbei konsumieren. „Love Letters“, dem vierten Album der Band, kommt jetzt also gleich in vielfacher Hinsicht eine besondere Bedeutung zu, allen voran natürlich die Frage nach der neuen musikalischen Ausrichtung. 

Denn einfach nur eine zweite Version des Vorgängers abzuliefern, stand für den anspruchsvollen Kopf der Band, Sänger Joe Mount, sicherlich zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. So schlägt die Band einen Weg ein, der vielleicht leicht zu beschreiten, aber ungleich schwerer umzusetzen war. „Love Letters“ schaltet mehrere Gänge zurück, wirkt sowohl atmosphärisch als auch musikalisch reduzierter. Der melancholische Opener „The Upsetter“ wirkt ungeschliffen, gar unfertig und ist damit eine clevere Antwort auf vielleicht überhöhte Erwartungen. 

Und Obwohl die karge Akustik-Gitarre im weiteren Verlauf nicht mehr zu finden sein wird, zieht sich diese Reduktion wie ein roter Faden durch den weiteren Verlauf. Die Konsequenz, mit der sich hier den großen Hits verweigert wird - nur die Vorab-Single „I'm Aquarius" und den Titeltrack kann man guten Gewissens so bezeichnen - ist dann aber doch erstaunlich. Sie zieht sich durch sämtliche Stile, und davon liefern Metronomy mal wieder eine Menge, die auf dem Album präsent sind. Das sanft pulsierende „Boy Racers“, ein Rückgriff auf Mounts Affinität zum Elektronischen, die er auch schon in etlichen Remixen für bekannte Künstler auslebte, könnte etwas an den richtigen Stellschrauben gedreht ein Knaller in jeder Großraumdisco sein. Es macht hier ebenso wenig eine Ausnahme wie etwa „Month Of Sundays, das eigentlich das Zeug zu einer Indie-Hymne hätte, wenn die Band es darauf anlegen würde. Stattdessen wird jetzt jedes der wenigen Instrumente pro Songs sorgfältig seziert und offengelegt. 

Es ist kein Zufall, dass „Love Letters“ die großen Gesten links liegen lässt und sich lieber auf die kleinen konzentriert. Denn so besteht die große Stärke des Albums darin, bei all diesen verschiedenen Einflüsse und Ansätzen, die normalerweise unter dem Strich nichts andere als eine Ansammlung von Songs ergeben, nicht in bloße Einzelsongs zu zerfallen, sondern auch als Einheit einigermaßen kompakt dazustehen. Innovationen finden sich hier nicht in der Breite, sondern im Miniaturformat. Die Songs genau so zu betrachten und ihnen Zeit zu geben, ist daher durchaus lohnenswert. (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*)

Anspieltipps

I'm Aquarius, #2
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Boy Racers, #6
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Love Letters, #4
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Reservoir, #9
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Month Of Sundays, #5
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