Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 18/2006

Albumcover

Metric
Live It Out

Ums Lattenmessen geht es nicht. Auch wenn die verdammt hoch liegt, sobald man von Kanada, Toronto, Broken Social Scene spricht und so manch einer in Metrics Situation sicher einen schwanzeingezogenen Limbo dem riskanten Hochsprung vorziehen würde. Anders Emily Haines, die zwar laut eigener Aussage gerne Sachen misst, mit ihrer Band Metric aber sowieso in einer ganz eigenen Liga spielt und darin leichtfüßig über das Sperrholz tänzelt, es dann mit gezieltem Handkantenschlag zerteilt, um die zersplitterten Bruchstücke anschließend wieder zusammenzubasteln.

Wo jedes Lineal zu kurz, jede Schublade zu klein und jedes Gegengewicht zu leicht ist, haben Metric vor drei Jahren ihre Werkstatt aufgebaut. Seitdem werden Wände eingerissen, gläserne Decken zerschlagen und Türen aufgebrochen, um Platz zu schaffen für das, was die Haines da gemeinsam mit ihren Kollegen zusammenfügt. Zurecht, denn selten war Kunst so tageslichttauglich. Metric bringen Pop und Kultur zurück in die Popkultur und kehren den Untergrund nach oben. Auf dem läuft es sich nicht immer gradlinig, aber wer Spaß an geschickten Maneuvern hat, wird Gefallen daran finden, sich von unerforschten Trampelpfaden in eingefahrene Spuren fallen zu lassen und diese dann an der nächsten Kreuzung wieder auf allen Vieren in Richtung Dickicht zu verlassen. Gefährlich ist der Ausflug an Metrics Hand dabei nie und der allumfassende Pophorizont ist jederzeit in Sicht, denn das erklärte Survivalziel ist der gute Song - in all seinen Spielarten. Die wechseln von poppigen Synthies über rockige Gitarren bis hin zu ruhigen Klavierklängen, immer getragen von Emily Haines´ überraschend wandelbarer Stimme.

Textlich ist "Live It Out" erst recht unermesslich groß. Vom leisen "There was no way out, the only way out was to give in" im Opener "Empty" geht es übers arty-poetische "On ne peut pas fabriquer la verité" im größtenteils französischen "Poster of a Girl" und die Mitsingzeile "I fought the war but the war won" in der ersten Single "Monster Hospital" bis hin zur scheinbar quirlig-abgedrehten Geschichte in "Live It Out" ("On the day we were supposed to leave you changed your mind at the station..."). Dazwischen philosophiert Haines über die Liebe, das Leben, Männer und Frauen und misst dabei gut und schlecht, Erfolg und Misserfolg, Glück und Unglück mit klugem Kennerblick an Details und kleinen Beobachtungen zwischen entrückter Weltfremde und persönlicher Weisheit.

Ob man Metric an ihren kanadischen Kollegen misst, ist letztlich - und hier sei das aufgegriffene Wortspiel verziehen - latte. Denn wer sich so ehrlich und so kunstvoll auslebt, braucht keine Angst vor Vergleichen zu haben. Metric sind selbst Maß ihrer Dinge. (Britta Helm, Radio Q)

Künster: http://www.ilovemetric.com | Label: http://www.lado.de

Anspieltipps

  • Monster Hospital, #6
  • Poster Of A Girl, #5
  • Too Little Too Late, #4
  • The Police And The Private, #8
  • Live It Out, #10

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