Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 35/2011

Albumcover

Male Bonding
Endless Now

Nicht erst seit „American Pie“ Teil eins bis achtundneunzig wissen wir bestens Bescheid, wie es bei amerikanischen High-School- und Collegepartys so ablaufen muss: Wildes Tanzen und Feiern im Wohnzimmer, zu Musik von Pop-Punk-Bands wie Blink 182 und Sum 41, die dadurch ihr eigenes Genre zugesprochen bekamen. Dazu gibt es  Bier im übergroßen Plastikbecher und anschließendes Knutschen im Schlafzimmer der Eltern (von wem auch immer). Gefeiert wird bis die Cops die Party auflösen und man zusehen muss, irgendwie durchs Hintertürchen zu entwischen.  Im ca. 5500 Kilometer entfernten England hingegen hat man keine Angst wegen sogenannten underaged-drinkings erwischt zu werden und auch der Soundtrack fällt gelassener aus. Dort feierte man die exzessiven Phasen der Adoleszenz eher zu den Songs von Oasis und Kollegen. Bei den Londoner Post-Punks/Noise-Poppern  von  Male Bonding könnte nun die neue universale Party-Generation zusammenkommen.

Während ihr energetisches Albumdebüt und Vorgänger "Nothing Hurts" noch die Träume englischer Studenten auf angesprochenen Hauspartys hat höherschlagen lassen, kommt Werk Nummer zwei nun in Nuancen etwas ruhiger, introvertierter und auch eingängiger daher.  Aufgenommen in der umgebauten Kirche der Dreamland Recording Studios in Woodstock, wo die B-52’s „Love Shack“ und Dinosaur Jr. „Where You Been“ aufgenommen haben, liegt über „Endless Now“ ein erwartungsvoller Schatten.

Der typisch grobe Punk-Bass in „Tame The Sun“, der nur in Einzelfällen über das magische 3-Akkord-Limit hinauskommt, eröffnet wie man es von Male Bonding gewohnt ist auch dieses Album und gibt einen ersten enthusiastischen Ausblick auf die kommenden 36 Minuten. Sind die Songs in der Regel kurz und auf den Punkt gespielt, brechen Robin Silas Christian, Kevin Hendrick und John Arthur Webb in „Bones“ (hier gratis laden) mit allen Mustern typischer Punksongs. Über sechs Minuten strapazieren sie unsere Geduld mit verwaschener, wenig-abwechslungsreicher  Punkgitarre und  langgezogenen „Ahs“ und „Ahas“, ohne sich dabei auch nur ansatzweise aus der Ruhe bringen zu lassen. Während  „Before It’s Gone“ und "What’s That Scene” in der gleichen grungig-ruppigen  Tradition stehen, geht  das um die Surf-Einflüsse erweiterte “Can´t Dream” über dieses Schema hinaus und führt uns an eine modernere und zeitgemäßere Vision der Beach Boys heran, ohne sich natürlich allzu weit vom Noise und Punk zu entfernen.  Letztlich sind alle Titel ungewaschen und rockig.

Die ehrwürdige Produktionsstätte einer Kirche scheint nur kurz zu inspirieren: Das sakrale “The Saddle” birgt den einzigen besinnlichen und bodenständigen Moment, der von rasanten Weezer- und Superchunk-Riffs sowie ausufernden Collegepartys so weit entfernt ist, wie der amerikanische Kontinent vom europäischen. Danach geht es mit den finalen Krachmachern „Chanelling Your Fears“ und „Dig You Out“ gewohnt weiter: Drummer und Chef-Kalorienverbrenner Robin Silas Christian zeigt, was er drauf hat. Obwohl dem Sound der Band diese Mal Komponenten wie zusätzliche Gitarre,  Klavier und Cello hinzugefügt wurden und auch beizeiten weibliche Vocals (Frankie Rose, u.a. Crystal Stilts) zu vernehmen sind, kann man „Endless Now“ noch lange nicht als experimentell bezeichnen. Aber zumindest die Richtung, in die sich das Noise- und Punkrockprojekt bewegt, stimmt und macht neugierig auf mehr. 

„Endless Now“ wurde über die Weihnachtsfeiertage in 2010 geschrieben und zusammengesponnen, ist gewohnt eingängig, absolut unverfänglich und durchaus in seiner unverkrampften Machart amüsant. Jedoch auch ebenso schnell wieder aus den Gehörgängen verschwunden, ohne auch nur den Ansatz eines Tinnitus oder ähnliche bleibende Eindrücke zu hinterlassen.  Verbunden in trauter Männerfreundschaft, bereiten Male Bonding  Fans von Weezer, Yuck, Superchunk und The Thermals  trotz einiger weniger Unzulänglichkeiten eine Menge Spaß und für eine anständige Party reicht es sicherlich auch noch. (Ben Grosse-Siestrup, CampusFM)

VÖ: 02.09.

Links: Myspace | Facebook

Anspieltipps

Tame The Sun, #1
Link:

Ca't Dream, #8
Link:

Bones, #4
Link:

Chanelling Your Fears, #10
Link:

Mysteries Complete, #7
Link:

Hier könnt Ihr Male Bonding: Endless Now - Silberling der Woche 35/2011 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar