Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 20/2007

Albumcover

Malajube
Trompe L'Oeil

Da ich von meinen Eltern auf eine katholische Jungenschule geschickt wurde hatte ich leider nie die Wahl zwischen Latein und Französisch. Latein war fester Bestandteil meiner Erziehung. Heute verstehe ich nicht ein Wort Französisch. Malajube sind im kanadischen Montréal zu Hause. Schon ihr Debüt “Le Compte Complet” wurde von der internationalen Szenepresse hochgelobt, den Nachfolger “Trompe L’Oeil” wollen wir heute feiern.

Zu Recht, denn die Gruppe wütet sich durch einen tobenden Powerprogrockmix, atemlos von Peak zu Peak, von Bridge zu Break, von Refrain zu Hook. Ohne, dass man sich nur einen Moment langweilen würde. Und ohne, dass man das Gefühl haben müsste, hier wären die Ambitionen mit ihnen durchgegangen. Konfus stieben die Gitarren und Stimmen durcheinander, ohne jegliche Anstrenung. Die Tatsache, dass sich Malajube für ihre Bühnenauftritte nicht selten kostümieren, hat bestimmt einen tieferen Sinn: Sie lieben den Frontmenschen der Flaming Lips und den smarten Onkel, der sich seine Designeranzüge beim Karneval mit Filmblut ruiniert. Malajube sind natürlich noch lange nicht so komplett wie die Flaming Lips, aber in punkto Liebe zur Musik sind die Kanadier schon in der ersten Liga angekommen. Das merk man besonders an ihrer Spielfreude.

Fast fünfzig Minuten dauert dann auch das Spektakel auf Trompe L’Oeil das man sich wahrscheinlich lieber abends als morgens in der U-Bahn reinzieht. Nach dem obligatorischen 50 Sekunden Intro geht es mit dem zweiten Song auch gleich in Richtung Abfahrt. „Montreal –40°C“ ist der Titel jenes zweiten Songs und es bleibt zu vermuten, dass die Meterologen in Montreal höchst zufrieden mit dem Ergebnis sein dürften. Ob man mit dem Track allerdings das Eis zum Schmelzen bewegen kann, je ne sais pas, das probiert Ihr am besten selber aus. „Pâte Filo“ könnte in den ersten paar Takten leicht mit Heinz Rühmann´s „La Le Lu“ verwechselt werden, aber das ändert sich zum Glück sehr schnell. Atmosphärisch sehr angenehm gestaltet, würde es nicht weiter wundern, wenn die aktuelle Single demnächst in den Straßencafes von Paris die Gäste verzaubert. Zumal diese auch sprachlich klar im Vorteil gegenüber dem gemeinen Europäer sind.

„La Monogamie“. Fast zur Halbzeit des Albums möchte ich mir ein beschreibendes Bild zum aktuell in meiner Anlage laufenden Titel verkneifen. Der des öfteren schon angesprochene sprachliche Mangel im Bezug auf meine Französischkenntnisse lässt mir leider keine Wahl. Und wie heißt es so schön: in dubio pro res. Musikalisch gesehen braucht sich „La Monogamie“ allerdings vor keinem Schlafzimmer zu verstecken. Gegen Ende der sehr angenehm zu hörenden silbernen Scheibe ereilt uns die Erkenntnis, dass Malajube mit „Trompe l´Oeil“ zwar ein sehr komplexes Album aufgenommen haben, aber nichts desto trotz bleibt der rote Faden zu jeder Zeit greifbar. Die um sich greifenden Melodien tun den Rest. Wer auf guten, originellen, Indiepop steht, ist bei Malajube an der richtigen Adresse. Nur Vorsicht: Finger weg vom Bonustrack! (Florian Dudda, CT das radio)

VÖ 04.05.

Band: http://www.malajube.com | Label: http://www.cityslang.com

Anspieltipps

  • Pâte Filo, #3
  • Fille à Plumes, #8
  • Montréal -40°C, #2
  • St-Fortunat, # 11
  • Casse-cou, #9

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