Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 10/2008

Albumcover

The Mae-Shi
Hlllyh

Sie sind solche Typen, die am Tisch in der Nase bohren, dem Gegenüber Kaugummi in die Haare schmieren und hinterher lauthals rülpsen. The Mae-Shi haben weder Geschmack, noch gute Manieren. Und dank Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom können sie nicht einmal still sitzen.

Auf ihrem mittlerweile dritten Album überraschen die kalifornischen Jungs mit leicht experimentell gescheitelter Musik, die sich als elektronischer Indie-Rock-Pop-Punk beschreiben lässt. Man merkt schon, leicht einzuordnen ist diese Band nicht gerade. Getreu ihrem MySpace-Motto "We can find a market for that" spielen sich The Mae-Shi vom Chor über Handclaps bis hin zu Elektrobeats ohne Rücksicht auf gängige Genres, so dass sich eigentlich jeder Label-Chef die Haare raufen müsste, vor lauter Angst, die Platte nicht an den geneigten Musikliebhaber bringen zu können. Doch gerade das macht das Album Hlllyh so besonders: kreuz und quer durch alle Musikbereiche spielen sich die sechs aktiven Mitglieder, so dass man stark vermuten könnte, dass die Songs eher zufällig bei den Aufnahmen entstanden sind. Die Melodien werden geschichtet und anschließend verbeult, der Gesang ist eher mitleidserregend als gekonnt und überhaupt herrscht hier ein so wildes Treiben, dass pedantische Musikhörer schnell am Ende sind. Schließlich hat man spätestens bei Track 4 die Übersicht verloren - und kaut selbst nervös an seinen Fußnägeln.

Wer sich beim ersten Hören vielleicht noch wundert über plötzliche Störgeräusche mitten im Song ("The Melody") oder wahlweise auch 30sekündiges Rauschen am Ende eines Liedes ("Hlllyh") und plötzliche Pausen ("Party and Politics"), hat sich ebenso spätestens beim zweiten Hören daran gewöhnt und kann sich ganz auf andere Dinge konzentrieren. Zum Beispiel tolle Gitarrensoli. Oder wie beachtlich hoch die Jungs singen können. Oder die absolute Tanzbarkeit jedes einzelnen Songs. Oder oder oder. Das vocodergeschredderte Tanzbein von „Young Marks“, die eher gerade gebogene Single „Run To Your Grave“ oder das elfminütige Kuddelmuddel von „Kingdom Come“, das zwischendurch sogar die Technokeule rausholt – all das zeigt den Übermut einer Platte, die waghalsiger kaum sein könnte. Die Überraschungen machen auch den ein oder anderen eher uninspirierten Moment locker wett.

Laut eigener Aussage haben "The Mae-Shi" in den letzten 6 Jahren ungefähr 250 Konzerte voller "busted electronics, spazzier-than-fuck drums, crazy-ass boogie guitar, distorted caveman bass and throat-destroying vocals" gespielt. Aaah ja. Nun gut, mag man das am Anfang für pure Selbstüberschätzung halten, aber man kann man sich nach dem Hören der Platte zumindest ansatzweise vorstellen, wie die Auftritte der Band aussehen: etwas chaotisch, sehr spontan, aber auch sehr leidenschaftlich. Alles in allem ist das neue Album also etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus für diejenigen zu empfehlen, die die durchgeknallten Blood Brothers schätzten und gerne zu Clap Your Hands Say Yeah tanzen. Denn "Hlllyh" ist definitv eine der ungehobelten Platten, die besser wird, je öfter man sie sich anhört. Und das ist es doch, was ein gutes Album ausmacht. (Jana Asmuth, Radio Q)

VÖ 29.02.2008

Band: http://www.mae-shi.com | Label: http://www.cooperativemusic.com

Anspieltipps

  • Run To Your Grave, 07
  • The Melody, 05
  • Lamb and Lion, 01
  • Young Marks 11
  • Hillyh, 13

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