Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 50/2002

Albumcover

Lupine Howl
The Bar At The End Of The World

Es gehört schon eine Portion Weißheit, bzw. Erfahrungsreichtum und pessimistische Süffisanz dazu, ein Album „The Bar At The End Of The World“ zu nennen. Und davon ist bei Lupine Howl ausreichend vorhanden. Denn Ende 1999 flogen Sean Cook, Mike Mooney und Damon Reece in hohem Bogen aus der britischen Band Spiritualized raus. Gefeuert von Sänger und Mastermind Jason Pearce himself. Inzwischen ist für Drummer Damon Reece Jon Mattlock eingestiegen, der Mitte der Neunziger ebenfalls bei Spiritualized geschasst wurde.

Bassist Sean Cook übernahm neben dem Bass-Spiel mehr oder weniger freiwillig auch den Part des Sängers und Frontmanns. Und die Musik, die Lupine Howl seitdem machen, ist ganz klar die Fortsetzung von Spiritualized mit anderen Mitteln: beinharter Garagenrock mit 60s-Flair, solides Songwriting und außerweltlicher Sphären-Sound, entspannt psychedelisch. „The Bar At The End Of The World“ ist das zweite Studioalbum von Lupine Howl.

Der Opener "A Grave To Go To" kommt komplett im Retro-Rock-Outfit daher und lässt es richtig krachen. Aber das war es dann bereits in Sachen Lärm, denn die restlichen neun Stücke gehen Lupine Howl weitaus gemächlicher an. Jedes Stück voller sehnsuchtsüchtiger, aber auch dreckiger Gitarren, schwelgerischen Soundcollagen und beschwörendem Gesang. Immer ein bisschen düster und weit länger als die Drei-Minuten-Radio-Länge.

Eigentlich sind Lupine Howl eine Band, die sich nicht im Geringsten um die Gesetze des Marktes schert, sondern einzig und allein ihrer eigenen Vision folgt. Dass genau diese Mischung von Gitarre und Psychedelic just in diesem Jahr plötzlich trendy ist, stört Sean Cook nicht direkt. Aber: „Das Problem bei diesen vielen neuen Bands ist, dass sie alle so viel jünger sind als wir und alle keinen besonderen Background haben. Die Einflüsse, auf die sie zurückgreifen, sind ganz offensichtlich. In dem Robbie-Williams-Zeitalter, in dem wir leben, ist es doch so: Die breite Masse findet halt das gut, was man ihr vorschreibt. Und auch, wenn derzeit alle auf Gitarrenmusik abfahren, heißt das noch nicht, dass sie auch verstehen, was wir mit unserer Musik rüberbringen wollen.“ Im gleichen Interview (mit „gästeliste.de“) beschreibt Sean Cook nüchtern seine Erfahrung mit der Presse: „Es ist nur so, dass die Leute, die in der Lage sind, Meinungsbildung zu betreiben, das nicht für uns tun, sondern für irgendeine Band mit Typen, die so jung sind, dass sie sich noch nicht einmal rasieren müssen.“

Mit der neuen Platte sind Lupine Howl aber den anderen Bands wieder einen Schritt voraus, die ihnen nach dem ersten Album ihre grundlegenden Ideen sozusagen weggeschnappt hatten. Beim Artwork des Covers bin ich noch immer nicht sicher, ob es mich mehr an alte Cover von Pink Floyd erinnert oder doch an „Der Herr der Ringe“. Fazit: „The Bar At The End Of The World“ hat an einigen Stellen Längen und wirkt bummelig. Es wird sicher nicht als Meisterwerk in die Musikgeschichte eingehen, aber es lohnt sich trotzdem. Nehmt euch die Zeit und genießt den rockigen Longdrink, den Lupine Howl zusammenbrauen, an der Theke in der Bar am Ende der Welt. Iss echt lecker!

(Text: Christian Schön, elDOradio 93.0)

HOMEPAGE: www.lupinehowl.com / LABEL: www.beggarsgroup.de

Anspieltipps

  • A Grave To Go To (Nr. 1)
  • Trust Me? (Nr. 7)
  • The Persuit Of Pleasure (Nr. 4)
  • Singning Off (Nr. 8)
  • Burning Stars (Nr. 9)

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