Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 40/2007

Albumcover

Les Savy Fav
Let's Stay Friends

Mando Diao veröffentlichten vier. Ryan Adams gar zehn. Türme stürzten ein, Deutschland wurde Weltmeister (oder so), Johnny Cash starb, die Erde drehte sich weiter. Das letzte Album von Les Savy Fav, "Go forth", liegt schon sage und schreibe sechs Jahre zurück. So ist "Let´s stay friends" auch wohl eher als verzagt-verschämte Bitte denn als selbstbewusste Aufforderung zu verstehen, wie von einem Freund, der sich nach Jahren der Funkstille mal wieder meldet.

Der Opener "Pots & Pans" tapert daher auch ebenso verzagt und unprätentiös um die Ecke, schaut sich erstmal in Ruhe um und bringt statt Bier lieber erstmal Süßigkeiten in Form einer wunderschönen Melodie mit. Sofort darauf pfeffern uns unsere alten Bekannten mit "The Equestrian" aber schon wieder eine ordentliche Garage-Punk-Salve vor den Latz. Die Verstimmung ob dieses nassforschen Auftretens wärt allerdings nur kurz, denn in den darauf folgenden Songs wird das hohe Niveau des Beginns mühelos gehalten. Les Savy Fav geben sich durchgängig spielfreudiger, tanzbarer und zugänglicher als auf ihren ersten drei Alben. Das nun überall die Pretty Girls Make Graves, McLusky und (in den ruhigeren Momenten), die Strokes als Referenz herhalten müssen, scheint eine Ironie der Geschichte zu sein, traten diese doch alle erst kurz nach Les Savy Fav ins weite Rund des Musikzirkus. Und fast überall gilt die vierköpfige Band aus New York, die zackigen, Gang-of-Four inspirierten Postpunk spielt und deren Mitglieder sich auf einer Kunsthochschule kennengelernt haben, als wichtige, gar stilbildende Einflussgröße auf Bands der aktuellen amerikanischen und europäischen Indierock-Szene. Trademark-Sounds since 1995.

Nur allzu logisch erscheint es da, dass sich die Herren mit Emily Haines von Broken Social Scene und Eleanor Friedenberger von den Fiery Furnaces weibliche Unterstützung aus zwei der derzeit hipsten US-Indie-Kapellen geholt haben. Besonders auf "Kiss Kiss Is Getting Old" überzeugt der Kontrast zwischen Haines` sanftem Timbre und Harringtons hysterisch-zornigem Gesang. So gelingt es Les Savy Fav perfekt, die Brücke zwischen klassischem amerikanischen Postpunk und Noiserock der späten Achtziger bis mittleren Neunziger zu neurem Retro-Geschrammel zu schlagen. Und jemanden mit derart integrativen Fähigkeiten zählt man doch gerne zu seinem Freundeskreis. (Julian Jochmaring, hochschulradio düsseldorf)

VÖ 21.09.

Band: http://www.lessavyfav.com | Label: http://www.wichita-recordings.com

Anspieltipps

  • 04, Patty Lee
  • 02, The Equestrian
  • 03, The Year Before The Year 2000
  • 07, Raging In The Plague Age
  • 09, Kiss Kiss Is Getting Old

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