Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 40/2006

Albumcover

The Lemonheads
The Lemonheads

The Lemonheads sind wieder da! Das vermutliche Comeback des Jahres kommt irgendwie überraschend, aber andererseits auch wieder nicht. Denn wirklich weg war das einzige Lemonhead-Mitglied Evan Dando in der Zwischenzeit nicht wirklich. Seine Fans hielten ihm auch auf Solopfaden wandelnd die Treue und der übergroße Rest kannte bis auf das Simon & Garfunkel-Cover „Mrs. Robinson“ herzlich wenig von den Lemonheads und vermissten sie dementsprechend. Doch vermutlich ist das dem fast Vierzigjährigen egal. Er hat sein Ding gemacht, damals wie heute. Und das auch immer in erstaunlicher Qualität. So auch auf der neuen Platte, die den einfallsreichen Namen "The Lemonheads" trägt und erstaunlicher Weise auf Vagrant verlegt wurde, einem der Emo-Labels überhaupt.

Vor zehn Jahren erschien das letzte reguläre Lemonheads Album "Car Button Cloth." In der Zwischenzeit hat Evan Dando ein Solo-Album geschrieben und veröffentlicht, welches aber nicht viel Aufmerksamkeit genossen hat. Außerdem hat er sich ehelichen lassen, entzogen und existiert. Sein Sunny-Slacker-Boy-Dasein hat er dabei nie abgelegt und pflegt es bis heute. Selbst der beachtliche Drogenkonsum habe nach eigenen Aussagen nur seinem Gehirn geschadet, nicht aber seiner Musik. Das kann man hören. Denn die ist nach wie vor einfach gut. Und ganz im Stile des Artworks.

Das Albumcover ist sehr schlicht gehalten. Ein simples Foto von Dando vor einer Wand, rot eingefärbt, erinnert an die bunten Exzesse der Pop Art. Auch das Booklet und alles andere innere ist einfach: ein Studiofoto, eine Frau in Unterwäsche, handgeschriebener Text im Booklet. Aber es passt, denn eins kann man auf jeden Fall über dieses Album sagen und das im positiven Sinne: Es ist schnörkellos.

Der Einfluss, der durch Descendents-Drummer Bill Stevenson (ebenfalls Produzent des Albums) geübt wird, ist ernorm: Ein Stück aus guten amerikanischen Pop-Punkrocktagen (nur wie immer viel zu kurz), ist der Opener "Black Gown". Danach gibt´s dann auch schon die Single "Become The Enemy", die einfach netter Radiopop ist, bei dem man sich wunderbar weghängen kann. J Mascis von Dinosaur Jr. schaut zwischendurch auch auf ein Riff vorbei und erfreut sich an der Bissfestigkeit der Songs.
Danach wird man insgesamt mal schneller ("Pittsburgh", "Poughkeepsie"), mal weniger schnell ("Baby´s Home"), aber immer entspannt ("Let´s Just Laugh") durchs Album geführt. Evan Dandos markante Stimme steht dabei immer mit Mittelpunkt und trägt die Stücke fast von allein. Es wird nichts neu erfunden, es gibt keine Übertreibungen, keinen gequälten künstlerischer Anspruch. Das achte Lemonheads ist die Rückkehr zu fast nostalgisch klingender Rockmusik. Nur böse Zungen würden behaupten, es sei belanglos oder langweilig. Aber liebe Leute, wann kriegt man heute schon noch ein Album präsentiert, dass nicht überladen ist mit allem möglichen Schnick-Schnack oder minimalistisch alles ausspart? „The Lemonheads“ ist ein persönliches Album geworden, ein klassisches dazu. Also freut euch, lehnt euch zurück und genießt es einfach. (Jens Horn / ct das radio, Bochum)

VÖ: 29.09.2006

Künstler: http://www.thelemonheads.com | Label: http://www.vagrant.com

Anspieltipps

  • "Become The Enemy", 2
  • "Poughkeepsie", 5
  • "Let´s Just Laugh", 4
  • "Pittsburgh", 3
  • "No Backbone", 7

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