Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 25/2017

Albumcover

Lea Porcelain
Hymns to the Night

Fünf Jahre nach Bandgründung ist ein Debütalbum durchaus abgebracht. Schon letztes Jahr wurden Lea Porcelain als up and coming in Hitlisten aufgenommen, dieses Jahr dann einmal mehr. Aber von Hektik keine Spur, Julien Bracht und Markus Nikolaus haben ja schon EPs und Singles veröffentlicht, die sich teilweise auch auf dem jetzt erschienen Album wiederfinden. Und das wurde nicht zu Unrecht lange erwartet, denn das Frankfurter Duo macht seine Sache wirklich gut.

In den ersten Sekunden von Hymns to the Night setzen Lea Porcelain ihre Marke und ziehen sie zwölf Songs lang konsequent durch: Röhrend-verzerrte, dann nebelhornartige Synthies, hallende Drums und nicht zuletzt der übersteuerte Gesang bestimmen den Opener Out Is In. „Der einzige Weg nach draußen ist hinein.“ Eine musikalische Reminiszenz an die britischen Melancholiker von Joy Division oder The Cure, und zwar auf jeder Ebene. Auch in 2017 ist ein Ende des 80er-Revivals nicht in Sicht, das haben A Projection zu Beginn des Jahres schon klar gemacht.

Wo Drangsal letztes Jahr noch Attitüde und Skandälchen einrührte, halten sich Bracht und Nikolaus als Personen deutlich zurück und überlassen der Atmosphäre die Bühne. Und die wiederum wird voll ausgenutzt. Nachdem die Singles BonesOut Is In und Warsaw Street den Weg bereitet haben, rauscht, eilt und dröhnt Similar Familiar fünf Minuten lang durch dunkle Gassen wie aus einem Film Noir ohne Aussicht auf ein Happy End. Schrille streicherartige Synthies geben zum Schluss den letzten Schliff und entlassen in die kurze, betont aufgenommene Pianoballade White NoiseHymns to the Night ist insofern ein sehr bezeichnender Albumtitel, denn er fasst die prägnanten Merkmale von Lea Porcelains Musik zusammen: Düsternis und gepflegter Pathos.

Einzig 12th of September fällt etwas ab – nicht zuletzt durch die Platzierung zwischen dem eingängigen Remember und Loose Life mit seinem bedrohlichen Beat. Insgesamt ist Hymns to the Night aber genau das Debüt geworden, das von Lea Porcelain erhofft wurde und zu erwarten war. Und wer nach Endlessly noch nicht genug hat, dem*der sei die großartige Coverversion von Bruce Springsteens Streets of Philadelphia mitsamt des wunderschönen Technicolor-Musikvideos ans Herz gelegt. Ein Glück für die deutsche Musiklandschaft, dass diese beiden im legendären Offenbacher Club Robert Johnson zusammengefunden haben.

(Benedict Weskott, CT das radio)

 

Homepage // Soundcloud // Facebook // Twitter // Label //

Anspieltipps

  • Out Is In #1
  • Warsaw Street #4
  • Similar Familiar #5
  • The Love #7
  • Endlessly #12

Hier könnt Ihr Lea Porcelain: Hymns to the Night - Silberling der Woche 25/2017 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar