Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 21/2018

Albumcover

Palace Winter
Nowadays

Von der Winterdepression hat bestimmt jeder schonmal gehört. Auf ihrem neuen Album propagieren Palace Winter jedoch eine andere Art von Schwermütigkeit: Die Sommer-Melancholie. Obwohl das Werk Nowadays heißt, schwelgt das dänische Duo in der Vergangenheit – vor allem in ihrer Jugend, die nun endgültig vorbei ist. „Nowadays you feel your age“ singen sie etwa in The Accident.

Allgemein geht es auf Nowadays viel um Verlust. In Take Shelter brennt ein Haus nieder und alles, was die Familie hatte, wird zerstört. Untermalt wird das von schweren Klavier- und Synthesizerklängen und einem eher langsamen Tempo. Das lyrische Ich stellt die Frage, ob das Leben noch lebenswert ist und kann sie nicht eindeutig beantworten. Baltimore hingegen beschreibt das Gefühl, dass alles Gute schon hinter einem liegt: „A life lived moving in reverse is strange / It's like I'm always looking back these days“.

Melancholisch kann aber trotzdem auch dynamisch klingen. Come Back (Left Behind) schafft das mit seinen energiegeladenen Gitarren, während The Ballroom auf treibende Drums setzt. Trotzdem geht es bei beiden Songs noch um Sehnsucht und Einsamkeit.  Palace Winter finden gerade diesen Gegensatz zwischen leichterer Melodie und schwermütigen Inhalt besonders spannend, wie sie in einem Interview verrieten: „[…] There is often a lightness to our songs so it was really interesting to load it with bigger themes we have to deal with in everyday life.“ Schade ist nur, dass Kenopsia als letzter Track und nicht als Interlude gewählt wurde, da er das Momentum der anderen Songs mit seinen einschläfernden Orgelklängen eher zunichtemacht.

Palace Winter werden oft mit der amerikanischen Band The War On Drugs verglichen. Mit Nowadays haben sie jedoch auf ganz eigene Weise geschafft, unsere Faszination mit dem, was gestern war, traurig schön verpackt einzufangen.  Wie F.Scott-Fitzgerald schon sagte: „So kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom, und unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit.“

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

 Homepage // Bandcamp // Label

Anspieltipps

  • Mo: The Ballroom #4
  • Di: Empire #5
  • Mi: Take Shelter #2
  • Do: Baltimore #6
  • Fr: Come Back (Left Behind) #7

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