Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 19/2002

Albumcover

Last Days Of April
Ascend To The Stars

Mit dem VÖ-Datum hat es nicht ganz auf den Punkt geklappt: Das neue Album der Last Days Of April (LDOA) erscheint in den ersten Maitagen, am 6.5.02. Wie viele andere, die derzeit die Rockszene bewegen, kommen LDOA aus Skandinavien. „Ascend To The Stars“ ist bereits der vierte Longplayer der Schweden. Aufgenommen und produziert haben die vier Jungs ihr Album mit Pelle Gunnerfeldt, der sich als Produzent von The Hives und The International Noise Conspiracy bereits einen guten Namen gemacht hat.

Die musikalische Schublade: College Rock. Gleich der erste Track kommt bekannt vor: Hmm, „Angel Youth“ – richtig, eigentlich der Titletrack des dritten Albums. Vielleicht liegt das daran, dass das Vorgänger-Album schon 4 Jahre zurückliegt und man auf diese Weise an alte Zeiten anknüpfen wollte. Mit einer Gesamtspieldauer von 38 Minuten ist das Album noch dazu etwas kurz ausgefallen für 4 Jahre Abstinenz.

Die 38 Minuten hauen einen zwar nicht vom Hocker, aber dafür sind sie auch gar nicht gemacht. Bei The International Noise Conspiracy kann man kaum sitzen bleiben und man fühlt anschließend irgendwie powervoll gereinigt. LDOA haben eher die Absicht in Melancholie und bittersüßen Gefühlen und Stimmungen zu verharren. Auch so ein „Ausleben“ kann am Ende reinigend wirken – alles nur eine Typfrage. Der Schreiberling der Plattenfirma drückt das so aus: „Das neue Album ist die Kassette in deinem Walkman während einer einsamen spätnächtlichen Heimfahrt mit dem Bus. Sie nimmt der Reise den Horror.“ Mit dem Horror spielt der Kollege vermutlich an auf Kälte, Regen und besoffen grölende und pubertierende Mitfahrer. Wer LDOA schon vorher mochte, wird diese Platte als konsequente Weiterentwicklung verstehen. Wer LDOA bislang nichts abgewinnen konnte, wird auch von dieser Platte wohl nicht überzeugt.

Wer LDOA noch nicht live gesehen hat, hat zur Zeit gute Gelegenheit dazu: Auf persönlichen Wunsch der Sportfreunde Stiller (so sagt es zumindest das Label), supporten die Schweden die Deutschrocker auf ihrer Tournee noch bis Mitte Mai.

Übrigens: schönes Cover hat die Platte (Sonnenuntergang am Meer mit Palme im Vordergrund) – könnte gut das Motiv einer 70er-Jahre-Fototapete sein, die entweder in Schlafzimmern klebt oder die Wand hinter der Essecke auflockern soll. Wahrscheinlich träumt man im hohen Norden gern von solch südlichen Gefilden. Und vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, der immer wieder zu den überraschenden, oft melancholischen Sounds der Skandinavier führt.

(Text: Christian Schön, elDOradio 93.0, Dortmund)

HOMEPAGE: www.lastdaysofapril.com /LABEL: www.badtasterecords.se

Anspieltipps

  • MO: Angel Youth (Track 1)
  • DI: Playerin (erste Single-Auskopplung) (Track 3)
  • MI: I’m Calm Now (Track 6)
  • DO: All Will Break (Track 7)
  • FR: Slow Down (Track 8)

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