Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 23/2005

Albumcover

Koufax
Hard Times Are In Fashion

Hach ja, Amerikaner zu sein ist heutzutage schon schwer... Man wird vom Rest der Welt gehasst, die eigenen Landsleute sind alle fanatisch-religiöse Alkoholiker, die letzten wahren Helden sind alle längst tot, man arbeitet sich in Halsabschneiderjobs ab, der Nachbar ist in der Mafia und mit der Liebe klappt´s sowieso schonmal gar nicht. Und eigentlich wär man ja eh viel lieber Kanadier... So, und was kommt jetzt raus, wenn sich ein von solchen Weltschmerzsorgen geplagter Ami für zwei Monate nach Prag ins Exil zum Songschreiben zurückzieht? Schlechtwetter-Emo-Gedudel? Getragen-pathetisches Mir-geht´s-ja-soooo-schlecht-Gesülze? Der Soundtrack zum Von-der-Brücke-Springen?

Falsch, falscher, komplett falsch. Zumindest, wenn es um Rob Suchan geht. Denn der Koufax-Mastermind hat dem neuen Album der Band aus Detroit zwar den klingenden Titel "Hard Times Are In Fashion" gegeben und auch textlich liegen die meisten der elf Songs irgendwo zwischen sarkastisch-böse und weinerlich-resigniert - musikalisch setzen Suchan und Co aber nicht auf die Deprischiene, sondern auf erstklassigen Gute-Laune-Powerpop. Und das mit System. Wie schon der Vorgänger "Social Life" geht "Hard Times Are In Fashion" erst in die Beine und dann in den Kopf. Gesellschaftskritik in tanzbar. Emo in funky. Texte zum erst Mitsingen und dann Mitdenken. Neben Rob Suchans provokant-lockerleicht vorgetragenen Lyrics ist das vor allem der Tastenarbeit von Jared Rosenberg zu verdanken, dessen Piano den Melodien den inzwischen zum Koufax-Markenzeichen gewordenen pointierten Ohrwurmswing versetzt. Unterstützt wird der von den Pope-Brüdern Ryan und Robert an Bass und Schlagzeug, für die Suchan zu "Get-Up-Kids"-Zeiten als Roadie gearbeitet hat und deren neues musikalisches Zuhause nach dem Ende der Emohelden nun zumindest musikalisch etwas weniger selbstmitleidig daherkommt.

Nach einem Jahr ohne Plattenvertrag haben Koufax ihren mittlerweile dritten Longplayer selbst vorfinanziert. Damit gehen sie zwar ein Risiko ein, das tut aber auch, wer als musikalisches Vorbild Joe Jackson angibt. Rob Suchan macht beides. Und ist dabei um einiges cooler als Mr. Jackson selbst. Da nimmt man ihm dann auch schon erwähnte Gesellschaftskritik nicht übel. "What The Public Wants Is What It Gets" heißt es im Opener "Why Bother At All" und die Öffentlichkeit will anscheinend nachdenkliche Texte - solange sie in new-wavig-britpoppigen Klavierrock verpackt sind. "This Is The Age Of No Feeling" exklamiert Suchan und man glaubt es ihm kein bisschen. Dafür ist jede einzelne Zeile des Songs zu eindringlich: Der Mann weiß zu genau, warum es einem doch etwas ausmachen sollte.

Dabei nervt Suchan zum Glück nicht mit politisch korrekter Humorlosigkeit, die das schwingende Tanzbein stocken lassen könnte. Der Mafianachbar "Stephen James" ist frei erfunden und das nicht aus Sendebewusstsein, sondern schlicht aus Langeweile an einem verregneten Sonntag. Und die Koufaxer sind zwar alles andere als Patrioten - kanadisch angestrichen werden wollen sie aber trotzdem nicht. In "Colour Us Canadian" geht es vielmehr darum, dass die nördlichen Nachbarn von der South-Park-Witzfigur zu den besseren Amerikanern geworden sind - dann nämlich, wenn reisende US-Amis sich lieber als Kanadier ausgeben, um im Ausland mit ein paar Vorurteilen weniger zu kämpfen zu haben.

Rob Suchan ist sowieso am liebsten in Europa. "Trouble Will Find You", das am tiefsten gehende Stück des Albums, deutet zwar an, dass er nicht damit rechnet, hier von allen Problemen verschont zu bleiben, trotzdem will er sein Glück ab Ende des Jahres in Berlin versuchen. Mit "Hard Times Are In Fashion" hat er sowieso den Soundtrack für alle großen und kleinen Probleme des Lebens dabei. (Britta Helm, Radio Q)

Künstler: www.koufaxmusic.com, Label: www.motor.de

Anspieltipps

  • Why Bother At All, # 1
  • Five Years Of Madness, # 6
  • Trouble Will Find You, # 7
  • Stephen James, # 8
  • Colour Us Canadian, # 11

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