Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 13/2006

Albumcover

The Kooks
Inside In / Inside Out

Das Booklet zu "Inside In / Inside Out", dem Debutalbum der Kooks, ist eine kleine Fotogalerie. Schwarzweiße und bunte Bilder zeigen vier Jungs, vermutlich unterwegs, auf Tour. In Reisebussen, in kahlen Räumen, auf Straßen, mit ihren Instrumenten, zum Bandfoto auf Steintreppen versammelt, auf Bühnen. Sie lachen, schauen nachdenklich, sehen fertig aus, werfen sich mit Hut, Sonnenbrille und freiem Oberkörper in angedeutete Rockstar-Posen. Sie wirken sehr jung, sehr unbefangen und nicht übermäßig cool. Nur ein kleines bisschen stylish vielleicht, vermutlich wegen ihrer üppig-zerzausten Eben-gerade-nicht-Frisuren und den engen, durchlöcherten Jeans.

Ja, sie sind jung. Gerade mal zwanzig und an sich ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Newcomer eben, frisches Fleisch für den Major, wenn man gemein -oder realistisch- sein möchte. The Kooks tun das, was zur Zeit viele junge Bands tun und womit sie nicht nur Vertreter ihrer eigenen Altersklasse gewinnen, sondern auch den ein oder anderen Hörer oder Plattenkritiker auf ihre Seite ziehen, der gut und gerne zwanzig Jahre älter ist als sie: Sie beschreiben ihr Blatt ganz unbeschwert mit einer Vielzahl unterschiedlicher musikalischer Einflüsse und popgeschichtlicher Referenzen, aber in ihrer eigenen Handschrift. Ungeniert erinnern sie an die Musik von Leuten, die schon ganz groß oder schon nicht mehr groß waren, bevor sie, die Kooks, überhaupt das Licht der Welt erblickt haben oder zumindest dem Kleinkindalter entwachsen sind: Da können Namen fallen wie The Kinks und -immer wieder gerne- The Clash, XTC oder auch The Police. Oder David Bowie. Benannt haben sich die Kooks nämlich nach einem Song von Bowies -mancherorts als seine beste bezeichneten- Platte "Hunky Dory". The Kooks, das heißt im amerikanischen Slang: Die Spinner, die Verrückten.

Aber ungeachtet des Flirts mit der Vergangenheit gehören die Kooks ins Hier und Jetzt. Sie erzählen aus dem Leben von Teenagern und jungen Erwachsenen, d.h. von dem ganzen Wirrwarr zwischen Verliebt-Sein und Genervt-Sein, Erwartung und Enttäuschung, sexuellem Verlangen und Versagen. Undzwar so, dass der Hörer dabei nicht die gute Laune verliert.

Und wie sie erzählen, darüber lohnt es sich noch ein paar Worte zu verlieren: Denn Leadvokalist Luke Pritchard singt -bisweilen unerstützt von seinen Bandkollegen Hugh Harris, Max Rafferty und Paul Garred- mit ehrlichem Enthusiasmus, Emotion, Energie und dem Mut zu kleineren Experimenten- und, im Vergleich zu den Frontmännern anderer "The"-Bands, angenehm wenig selbstverliebt. Ein bisschen jungenhaft überheblich manchmal, aber das ist schon okay, ja macht sogar Spaß. Hinzu kommt, dass die Kooks in ihrem jugendlichen Leichtsinn ein bemerkenswertes Gespür für das Eingängige haben, für Ohrwurmmelodien und Mitsingrefrains: Bestes Beispiel dafür ist "She Moves In Her Own Way", ein Stück, bei dem einen das Charthit-Potential spätestens beim Einsetzen der Handclaps förmlich anspringt. Auch die beiden bisherigen Singleauskopplungen "Eddie´s Gun" und "Sofa Song" scheinen über das richtige Maß an draufgängerischer Krachigkeit und gleichzeitigem Pop-Appeal zu verfügen, um sowohl die Indie-Tanzböden als auch die Charts zu rocken.

Gleichzeitig deutet sich in kleineren Details (die entfernte Orgel am Schluss von "I Want You", das dubbige Ausklingen von "Got No Love") eine Verspieltheit und aufkeimende Experimentierfreude an, die vermutlich auf folgenden Alben stärker in den Vordergrund treten könnte. Schön sind zum Beispiel die dezenten Verweise auf die traditionsreiche britische Affinität zu Reggae und Ska, die Gruppen wie Madness, The Specials oder eben die bereits genannten Police hervorgebracht hat. Der Offbeat-Einschlag in den Strophen und der Geradeaus-Rock ´n Roll in den Refrains können letztlich repräsentativ für das stehen, was von den Kooks einmal kurz und bündig als identitätsbildend für ihre Band definiert worden ist: "We´re a groove rock ´n roll band who want to make the people dance." Nicht mehr, nicht weniger. (Lisa Schröder, Radio Q)

Band: http://www.thekooks.co.uk | Label: http://www.virgin-music.de

Anspieltipps

  • Eddie´s Gun, Track 4
  • Matchbox, Track 8
  • Sofasong, Track 3
  • Seaside, Track 1
  • She Moves In Her Own Way, Track 7

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