Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 18/2007

Albumcover

Kings Of Leon
Because Of The Times

Wow! Was Caleb Followill mit einer Stimme zwischen kaputter Luftpumpe und Fingernagel auf der Schultafel im Psycho-Rocker „Charmer“ in die Welt schreit, lässt sich ohne Bedenken auch auf das neueste Werk seiner 3-Brüder-und-ein-Cousin-Band Kings Of Leon übertragen.

Wow, was für eine Entwicklung! Am ehesten wohl auszumachen am spukenden Opener „Knocked Up“, der mit über 7 Minuten Länge und einer überbordenden Dramatik, die man ihnen so nicht zugetraut hätte, zu überzeugen weiß. Da brodelt es an allen Ecken und Enden, der Bass grollt irgendwo versteckt unter zwei bis drei Gitarrenlinien, bis er dann kommt, der Ausbruch. "I don´t care what nobody says, we´re gonna have a baby." Hier wird ohne Reue auf den Tisch gehauen. Ohne Kompromisse. Das gilt auch für diese in speckige Lederjacken gehüllte Platte, die die so wichtige dritte ist, bei der sich vieles für den Werdegang einer Band entscheidet.

Wow, was für eine Vielseitigkeit! Mehr Einflüsse als auf den beiden Vorgängern bedeuten auch mehr Facetten, mehr Aha-Erlebnisse. Mal schimmern die Pixies durch (so psychisch gestört wie in "Charmer" hat seit Frank Black wohl keiner mehr gesungen), dann wieder klassische 60´s Rockbands wie die Rolling Stones oder die Kinks. Hippietum trifft auf Indierock. Aber die Kings Of Leon sind keine bloßen Kopierer, die sich mal eben aus zwei Baukästen bedienen und das beste daraus zusammenfügen. So konsequent und atemberaubend selbstsicher wie sie hier zu Werke gehen, entsteht etwas ganz eigenes.

Songbeispiele dafür gibt es genug. Sei es das aus der Hölle emporkommende und im Refrain wieder in den Schaukelstuhl auf der Veranda zurückkletternde "Trunk", oder das im Dreck einer innigen Liebe wühlende "True Love Way". Wo man auch hingreift, man findet Songs mit einer gehörigen Portion Charakter. Gekrönt durch eine Stimme, wie sie unverkennbarer und ausdrucksstärker nicht sein könnte. Hier ist nichts konstruiert, nichts gekünstelt. Musik mitten aus dem Herzen, mitten ins Herz. Das ist alles und reicht.

Wenn einen dann das spröde "Arizona" mit seiner sehnenden Gitarre in die untergehende Sonne reitet, keimt immer mehr das Gefühl auf, bei diesem Ritt durch "Because Of The Times" ziemlich viel erlebt zu haben. Und schon ist man im Bann dieser Platte. Die Kings Of Leon, Söhne und Neffen eines Wanderpredigers, ziehen weiter um ihre frohe Botschaft auch anderen zu verkünden. Es möge ihnen gelingen. Da draußen in dieser ungerechten Welt, in der eine einzige Familie so viel Talent abbekommt. (Benjamin Adler, Radio Q)

VÖ: 20.04.2007

Band: http://www.kingsofleon.com | Label: http://sonybmg.de

Anspieltipps

  • On Call, #3
  • True Love Way, #7
  • Knocked Up, #1
  • Charmer, #2
  • Arizona, #13

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