Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 16/2004

Albumcover

Kaizers Orchestra
Evig Pint

Die neue Scheibe von Kaizers Orchestra ist endlich da!
Muss man diese Band eigentlich noch vorstellen?? Wohl kaum. Aber gut, der Vollständigkeit halber: Kaizers Orchestra sind ein Sextett aus Bergen, Norwegen und haben im letzten Jahr mit ihrem Album „Ompa Til Du Dør“ die erfolgreichste Veröffentlichung in norwegischer Sprache aller Zeiten hingelegt (ja, sie singen norwegisch!). Sie selbst bezeichnen ihre Musik als Humpa und was diese Jungs live zu bieten haben ist schier unglaublich (Ölfässer und Standaschenbecher werden ruck-zuck zu Instrumenten umfunktioniert). Eigentlich wollten sie ja gar keine Platten machen, wollten nur Konzerte spielen, aber damit waren sie dann so erfolgreich, dass sie gar nicht anders konnten als ihre Musik auch auf Tonträger zu pressen.

Und dieser Tage erschien dann auch schon Album Nummer zwei. Während das gu-te Stück in Skandinavien bereits veröffentlicht war, mussten die Fans hierzulande Geduld beweisen. Und Fans ist auch schon ein gutes bzw. DAS Stichwort.
EVIG PINT ist eine Platte für Fans. Für Menschen, die sich von der Eingängigkeit des letzten Kaizers Orchestra Album „Ompa Til Du Dør“ haben überzeugen lassen und jetzt „Save Me Kaizer“- brüllend zu Konzerten der Norweger rennen.
Die neue Platte EVIG PINT (übrigens norwegisch für „ewige Verdammnis“) ist da an-ders. Versteht mich nicht falsch, sie ist großartig. Aber sie ist direkt beim ersten hören nicht so zugänglich wie ihr Vorgänger, ist ruhiger und düsterer und irgendwie reduzierter.

Aber fangen wir doch beim ersten Song an:
Wunderbar, wie sie klingt, die Orgel. Die typische Kaizers-Orgel. Oder besser: sie quietscht und knartscht und rückt die restlichen Instrumente des Orchesters zunächst in den Hintergrund. Dann singt Jan Ove Ottesen in jener wunderbar-fremden Sprache. Was hängen bleibt ist „klapp dine hender“, klatscht in die Hände. Geht klar, wird gemacht. Der Song animiert rein musikalisch ja auch schon dazu.
Wirklich fröhlich ist das aber nicht, die Songs klingen zunehmend gespenstisch und dunkel. Als Beispiel sei mal der Song „De Involverte“ aufgeführt. Große Melodien, traurige Melodien, aber nicht hoffnungslose Melodien. Seeräuberromantik meets Zir-kus. Ein Blick auf die englische Übersetzung der Lyrics verrät dann auch warum es klingt wie es klingt: Themen wie Tod, Qual, Rache und Schmerz im Allgemeinen werden hier in zwei bis acht Minuten behandelt und da wäre mir auch nicht zum Lachen!
Der Song „Djevelens Orkester“ greift dann wieder, typisch Kaizers Orchestra, tief in die Humpa-Kiste und schlagt-mich-tot das klingt auch ein bisschen nach russischer Folklore für mich und wenn ich mich schon mit Stil-Bezeichnungen so weit aus dem Fenster lehne, Flamenco steckt da auch noch drin! Ja, die Mischung funktioniert, glaubt’s ruhig!

Alles anders, alles beim alten. Ein zweites „Ompa Til Du Dør“ wäre einfallslos gewe-sen, hätte auch keiner gewollt. Was seit dem letzten Album geblieben ist, sind der stampfende Rhythmus und skurrile Orgel-Melodien, gebettet in einfachem Songwriting. Das ist der typischen Kaizers Sound.
Das letzte Stück auf dem Album „Drøm Hardt“ endet schließlich in gut fünf Minuten Geigensolo, fängt die Grundstimmung von EVIG PINT auf und bringt das Album so zu einem Abschluss, der passender nicht hätte sein können. Genau so musste dieses Album aufhören!

(Kristina Budde, eldoradio*)

Künstler: www.kaizers.no

Fans: www.save-me-kaizer.de
 

Anspieltipps

  • Di Grind #1
  • De Involverte #4
  • Evig Pint #3
  • Djevelens Orkester #9
  • Til Depotet #10

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