Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche KW36/2010

Albumcover

Junip
Fields

Einer für drei; Ganz klar, die schwedische Band Junip profitiert von dem Ruhm ihres Frontmannes. Der nämlich heißt José González und hat in den letzten sieben Jahren mit “Veneer” (2003) und “In our nature” (2007) zwei ziemlich erfolgreiche Alben sowie unzählige EPs veröffentlicht, die spätestens seit dem massiven Einsatz seines perlenden The-Knife-Covers “Heartbeats” in der Fernsehwerbung fast jeder kennt.
Und dennoch: Wer Junips Debütalbum “Fields” hört, merkt schnell, dass es falsch wäre, die Band nur auf ihren Frontmann zu reduzieren, auch wenn sein Songwriting und seine wundersam eigene Stimme das Album zu tragen scheinen.
 
Man nehme zum Beispiel den Opener “In Every Direction” und zähle von Beginn an im Takt mit. Spätestens wenn Synthie und Schlagzeug einsetzen, wird's schwierig. Was sich an der Oberfläche nach simpler Popmusik anhört, erweist sich bei genauem Hinhören nämlich als ein rhythmisch komplexes Geflecht aus Schlagzeug- und Gitarrenspiel. Es zeugt von einem großen Selbstverständnis und einer Natürlichkeit, wie José González mit Elias Araya und Tobias Winterkorn harmoniert. Das Pop-Handwerk beherrschen sie sowieso - und vor allem die Kunst, ihr technisches Geschick nur dezent beizusteuern. Oftmals ist weniger bekanntlich mehr. Die subtile, organische und atmende Produktion unterstreicht dabei nur den klaren Grundton, der sich durch fast alles Songs zieht.
 
Die Vorab-Single erfüllt ihren Zweck hervorragend - "Always" ist ein beschwingter Popsong fürs Radio, "Rope & Summit" dürfte echten Fans schon bekannt sein - seit diesem Frühjahr gibt es die gleichnamige EP zum kostenlosen Download im Internet. Der Song liefert den optimalen Soundtrack für den nächsten Herbstnachmittag bei Tee und Shisha. Fast mantrahaft werden hier Passagen einlullend wiederholt, während sich die eigentliche Arbeit in den höheren Lagen von Gitarre und E-Piano abspielt. Auch in "Faded to the grain" halten Junip die Spannung mit nur zwei Akkorden aufrecht. Dafür sorgen ein Glockenspiel und elektronische Spielereien. Der Synthieteppich könnte auch im Studio von Air liegen, nur wirkt er hier sympathisch verstaubt und abgelatscht. “Howl” besticht durch maschinenhaftes Schlagzeug und eine weitere percussionistische Besonderheit: In regelmäßigen Abständen prosten sich die Musiker hörbar mit zwei Weinflaschen zu. Und nach den ersten großen Schlücken wird dann auch die Zunge locker. So heißt es gegen Ende des Songs: “Now we could still talk about moral responsibility / we could still talk about our common human goals / what leads to happiness what leads to suffering / what leads to exuberance and flourishing of the soul“. Herausragend ist jedoch ein weiterer Titel. “Don’t Let It Pass” ist ab jetzt verpflichtend auf jedem Abschiedssampler für die Freundin, die zum Wintersemester ins Ausland geht: “Elevate and leave / the flickering screen” singt González da in einer rührend-sehnsüchtigen Melodie.
 
Wie schon auf seinen Soloaufnahmen spielt José auch auf „Fields“ nur die Konzertgitarre – das ist die mit den Nylonsaiten – und verleiht diesem Debüt damit eine besonnene und intime Note. Überhaupt wird auf große Hinhörer und Lautstärke verzichtet und alles in eine einheitlich-warme Klangfarbe getüncht: Der leichte Hall auf den Instrumenten, die vintagemäßige Verzerrung in einigen Songs und viele luftige Momente tun ihr übriges dazu. Auch wenn Junip über weite Strecken hinweg ein wenig optimistischer klingen als José González‘ bisherige Soloalben, so lässt sich der Einfluss des Sängers auf den Sound der Band nicht leugnen. Dennoch gewinnt "Fields" gerade durch das abwechslungsreiche Schlagzeugspiel und die bewusst eingesetzten Synthesizer an neuer Spannung. José González ist hier eben nur Teil einer dreiköpfigen Band. (Dominik Peters, CT das radio)

VÖ: 10.09.2010

Links: Band | CIty Slang

Anspieltipps

Always, Track 02
Link:

Don't Let It Pass, Track 08
Link:

Howl, Track 06
Link:

Rope And Summit, Track 03
Link:

Faded The Grain, Track 10
Link:

Hier könnt Ihr Junip: Fields - Silberling der Woche KW36/2010 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar