Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 09/2003

Albumcover

Johnny Marr and The Healers
Boomslang

Zwischen Innovation und dem Versuch erwachsen zu werden - Johnny Marr ist zurück! Ich kann es nicht glauben, ich halte das neue Album in den Händen.
Der Meister! Wie habe ich früher „luder than bombs“ und „the world won’t listen“ von „The Smiths“ rauf und runtergehört, und auf die Welt geschimpft, und bin mir dabei ganz groß vorgekommen! Und jetzt das Soloalbum.

Doch während ich „boomslang“ so durchhöre und auf den Ohr-Orgasmus warte, werde ich zunehmend ratlos. Das große Erlebnis bleibt aus. Das Album hat den typisch nordenglischen Gitarrensound der 80er. Aber der hat sich doch - um Gottes Willen – weiterentwickelt, denke ich. Da gibt es doch Bands wie „Elbow“, „Doves“ und „I Am Cloot“, oder Künstler wie „Badly Drawn Boy“ – sie alle haben längst den Sound von Manchester weiterentwickelt. Und hatte nicht Johnny Marr selbst neue innovative Gitarrenbands wie „Haven“ produziert? Er war es doch, der damals mit „New Orders“ Bernard Sumner die Band „Electronic“ gründete, die zwei der absolut schönsten Alben der 90er machten? Auf Zwei Alben von „The The“ wirkte Jonny mit, er tourte mit „Neil Finn“ und „Pearl Jam“ und mit Oasis hat er auch gearbeitet.

Aber „Boomslang“ hätte ebenso gut ein 80er-Album der Stone Roses sein können. Zwar gibt es ab und an Lichtblicke wie in „You Are The Magic“, das vom Gitarrenpop in einen funkigen Groove übergeht, oder der Track „Bangin’ On“ der zumindest Mitsingcharakter hat. Aber der Rest klingt so, als ob Johnny Angst gehabt hätte, etwas anderes auszuprobieren. Ich kann’s kaum fassen, bei dieser Vielfalt in der Biografie. Die verschiedensten Stile der Pop und Rockmusik hat Jonny Marr durchlebt. Und jetzt: nur so ein „ganz normales“ Gitarrenpopalbum?

Zwei Tage später:

Ich werfe das Album noch mal ein. Gleich das erste Lied bringt mich diesmal wenigstens zum mitrocken. Ich gewöhn mich dran. Objektiv gesehen ist es kein schlechtes Album. Es hat alles, was ein gutes Album braucht. Mitsing-Charakter, Rock, geniale Gitarrensounds! Es ist nur nicht herausragend. Wieder beschleicht mich das Gefühl, dass Johnny Marr Angst gehabt haben musste, etwas neues zu machen. Bei „You Are The Magic“ sprüht zwar ein kleiner Funke von der alten Leidenschaft wieder auf, doch zu schnell verlischt er wieder. Es ist, als ob Johnny Marr krampfhaft versuchen würde, erwachsen zu werden und dabei seine eigene Kreativität unterdrücken wolle. War ihm das ewige hin, und her zu viel, ist er zu alt geworden? Wollte er einfach mal zu den alten Roots des Rock’n’Roll zurückgehen? Vermisst er den alten Manchestersound, oder fürchtet er, wenn er etwas neues macht, von den jungen Hörern und Künstlern nicht mehr ernstgenommen zu werden? Das Album ist zuende, und ich ermahne mich, nicht zu viel zu verlangen und nicht zuviel zu interpretieren. Wenn man ganz ohne Vorurteile rangeht, dann ist es ein schönes Gitarrenpopalbum zum Nebenbeihören.

Antworten auf all die aufgeworfenen Fragen gibt vielleicht das Konzert im Prime Club in Köln (14.03.03), wenn Jonny Marr sich auf der Bühne zeigt und seine Musik möglicherweise erst zum richtigen Klingen bringt. Das Konzert wird übrigens präsentiert von den „CampusRadios NRW“.

(Text Amy Zayed, CampusRadios NRW)

KÜNSTLERPAGE: www.jmarr.com / LABEL: www.imusic.com / www.artistdirect.com

Anspieltipps

  • The Last Ride, Tr. 1
  • Down On The Corner, Tr. 3
  • Another Day, Tr. 7
  • Bangin´ On, Tr. 11
  • Need It, Tr. 4

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