Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 42/2004

Albumcover

Jimmy Eat World
Futures

Ein Tag im Juni 2004: Es landet mal wieder einer der üblichen Newsletter der Tonträgerfirmen in meiner Mailbox. Mein Blick wandert zuerst zu den so genannten "Upcoming Releases". Ungläubig entnehmen meine Augen den Namen "Jimmy Eat World" dieser Liste. Ein Spannungsgefühl macht sich breit und ich verspüre leicht feuchte Hände.

Gegenwart. Mesa in Arizona. Wo zum Teufel liegt das? Ich ziehe mal schnell meinen Schulatlas zu Rate um festzustellen, dass auf Seite 190/191 C3 das mir unbekannte Städtchen Mesa etwas größer als gedacht ist. Laut der Legende des Atlanten sollen es zwischen 100.000 und 500.000 Einwohner sein. Phoenix, die Hauptstadt des Bundesstaates Arizona, liegt auch nur knapp 75 km entfernt. Ansonsten gibt es rund um Mesa aber nicht viel zu holen -bis in die nächsten Bundesstaaten sind es mehrere hunderte Kilometer. Auch Mexico liegt noch 200 Kilometer entfernt.

Es ist irgendwann im Juli 2003 als ich mir mal wieder Platten bei einem Münsteraner Mailorder bestellen möchte. Schon seit längerem auf meiner Liste befindet sich der Song "No Sensitivity" von Jimmy Eat World. In meinen Augen ein wahres Meisterwerk der Band, was sich leider völlig deplaziert auf einem Bordercross-Sampler neben Papa Roach, Hed Pe und 4 Lyn aus dem Jahr 2001 befindet. Die ursprüngliche Veröffentlichung, eine 3fach 7inch Split-Single mit Jebediah, ist schon lange vergriffen, da sie nur auf 1000 Exemplare limitiert ist. Wie es der Zufall aber will, hat eben jener Mailorder doch noch ein paar Exemplare dieser seltenen Ware in seinen Bestand bekommen. Knapp zwei Wochen später halte ich dann das Stück großer Songwriterkunst endlich in meinen Händen.

Zurück in die Gegenwart. Die Heimatstadt von Jimmy Eat World, Mesa in Arizon, soll einen -laut Auskunft des Sängers Jim Adkins- wieder auf den Boden der Tatsachen bringen. Kein Wunder wenn auch sonst hunderte von Kilometern nichts in der Nähe ist. So verwundert es auch nicht, dass sich die Szene, wie Adkins es nennt, sich über ihre Kreativität ausdrückt und rechtfertigt. Andere Dinge rücken in den Hintergrund und es existiert somit nur noch die Musik und ihre Bedeutung. Sicherlich gibt es schlechtere Ausgangsbasen, um eine Platte zu schreiben und aufzunehmen. So holt man sich die Inspirationen auf Tour und verarbeit diese zu großartigen Songs in der Heimatstadt.

Anfang September 2004: Die erste Single "Pain" des neuen Albums "Futures" erreicht unsere Redaktion. Wie bereits im Juni, mach sich erneut eine knisternde Spannung breit. Diesmal jedoch mit dem eindeutigen Vorteil beim Einlegen der CD sogleich in ein positives Gefühl umzuschlagen. Jimmy Eat World haben es also tatsächlich vollbracht und ihre neue Platte fertig gestellt. Aber die unter spannungs- und problemgeladenen Bedingungen.

Wieder im Jetzt. Zehn lange Jahre hat man mit Mark Trombino zusammengearbeitet. Er war sozusagen Haus und Hofproduzent der Band. Auch diesmal sollte es Mark mal wieder richten. Allerdings merkte die Band schnell, dass es für "Futures" nicht mehr reichen sollte. Man war zu eingespielt und die Band ging schnell an ihre Grenzen. Adkins drückt es so aus, dass sie sich dabei "fast umgebracht" hätten. Das Team, die Band und ihr Produzent Mark, drohten sich in einer Sackgasse zu verlieren. Daher zog man die Notbremse und heuerte Gil Norton an, der zuvor nur den Track "The Middle" vom "Bleed American"-Album kannte. Gil gab der Bands eine neue Sichtweise und trieb sie zu Höchstleistungen.

Wir schreiben Ende September: Das Album ist mittlerweile in der Redaktion eingetroffen. Mit jedem Hören erzeugt es in mir ein Hochgefühl. Es ist einfach unbeschreiblich, was diese Band für unwiderstehliche Alben abliefert.
Gerade höre ich das Album schon zum x-ten Male und kann einfach nicht davon loslassen. Auch jetzt wieder beim Verfassen des Textes. Das Ergebnis ist mehr als beeindruckend. Es entstanden zwölf hoch-emotionale Songs, die Eindeutig in der Tradition der Vorgängeralben stehen. Neben der hervorpreschenden Single "Pain" und dem treibenden "Just Tonight..." bilden vor allem "Futures" und "Nothingwrong" den härteren Part der Platte. Bei "Polaris", "23" und "Night Drive" zeigen Jimmy Eat World gekonnt ihr Händchen für spannende und atmosphärische Epen. Auch die Popperlen "Kill" und "The World You Love" und die Halbballade "Work" stehen den bereits genannten Songs in keiner Weise nach und zeigen einmal mehr, wie vielfältig Jimmy Eat World letzlich sind. Bei letztgenanntem ist im übrigen Liz Phair mit von der Partie. Der Grund dafür ist relativ einfach, da bereits das Demo stark an einen alten Liz Phair Song erinnerte, beschloss man Liz einzuladen, die ihrerseits von der Idee begeistert war.

Um den 10.September: Der Promoter der Plattenfirma von Jimmy Eat World unterbreitet mir die Nachricht, dass Jimmy Eat World einen Geheimgig in Köln an meinem Geburtstag spielen würden. Eine ausgelassene Stimmung macht sich in mir breit. Was schöneres kann es eigentlich nicht geben.

Wieder im Hier. Fühlte die Band sich bisher immer unwohl über politische Ansichten zu reden, hat eine Veränderung stattgefunden. Für Sänger Adkins liegt es an der Tatsache, dass sie älter und reifer geworden sind und es einfach an der Zeit ist bestimmte Dinge, wenn auch dezent, anzusprechen. So spricht der Beginn des Titelstücks bände. Jimmy Eat World haben es also tatsächlich wieder geschafft und eine Platte gemacht, die den Vorgängeralben in nichts nachsteht. "Futures" wächst bei jedem Hören und immer wieder findet man neue Elemente, die man zu Beginn schlicht und einfach überhört. Ein Ziel der Band ist es, dass "Futures" für alte Fans zur Lieblingsplatte wird. Mich haben sie überzeugt.

Anfang Oktober: Mitlerweile ist die Split-Single mit Jebiah wirklich vergriffen. Auch in dem Münsteraner Mailorder...
(Guido Bülow, hochschulradio düsseldorf 97.1)

Künstler: www.jimmyeatworld.com
Label: www.universal-rock.de

Anspieltipps

  • Pain, Track 6
  • Work, Track 3
  • Futures, Track 1
  • Night Drive, Track 10
  • Nothingwrong, Track 9

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