Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 34/2009

Albumcover

Jay Reatard
Watch Me Fall

Oktober 2008: Die CampusRadios NRW stellen fest, dass Jay Reatard ein seltsamer Vogel ist, der für Coverfotos gerne mal seine Badewanne mit unzähligen Viny-Singles teilt. Trotzdem, bzw. dennoch, lassen wir ihm die Auszeichnung als Silberling der Woche für seine Singles-Compilation "Matador Singles 08" zukommen.

August 2009: Jay Reatard ist immer noch seltsam. Im Video zur ersten Auskopplung seines neuen Albums "Watch Me Fall" feiert er mit einigen ebenso komischen Gestalten einen Kindergeburtstag, der in eine ultimative Essensschlacht inklusive Marterpfahl und Kungfu-Einlagen ausartet. Uns bleibt also gar nichts anderes übrig als ihm erneut den Silberling vor seine Haustür zu stellen.

Na gut, ganz so einfach ist das dann doch nicht. Denn natürlich verleihen wir die höchste Auszeichnung der deutschen Musikszene nicht für möglichst skurrile Videos, sondern für möglichst gute Musik. So gesehen ist es ein großes Glück für Jay Reatard, dass er sowohl in der einen, als auch in der anderen Kategorie ganz vorne mit dabei ist. Erfreulich für uns ist zudem, dass der Endzwanziger aus Memphis, Tennessee, in den letzten Monaten offensichtlich überhaupt keine Zeit hatte, seine Leichtigkeit, seinen Humor und seine Melodieverliebtheit zu verlieren.

Das beweist er dann gleich bei der eingangs erwähnten Single "It Ain´t Gonna Save Me", die mit einem Augenzwinkern direkt auf den im letzten Jahr entstandenen Hype antwortet: "all is lost / you can go home / all is lost / there is no hope for me". Und wo sowieso alles verloren scheint, lastet auch kein Erwartungsdruck mehr auf den Schultern und man kann befreit weiter kurze und knackige Rocksongs aus dem Ärmel schütteln. Denn an der bewährten Formel (Melodie, ruppiger Gitarrensound und lässige Punk-Attitüde) wird selbstverständlich auch nicht gerüttelt. Entsprechend beginnt nach nicht einmal zweieinhalb Minuten schon der nächste Song, der - natürlich - nicht weniger hörenswert ist. Generell vermeidet Reatard es, mehr zu sagen als unbedingt nötig. Nur drei der insgesamt zwölf Stücke knacken die magische Drei-Minuten-Grenze, der Rest liegt teilweise sogar deutlich darunter. Sollte bisher also noch nicht klar sein, dass es sich bei "Watch Me Fall" um ein kurzweiliges, ganz und gar der Unterhaltung gewidmetes Album handelt, dann sei dies an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich herausgestellt: "Watch Me Fall" ist ein kurzweiliges, ganz und gar der Unterhaltung gewidmetes Album.

Das ist jedoch keinesfalls gleichzusetzen mit Oberflächlich- oder Beliebigkeit. Wie schon auf der letztjährigen Veröffentlichung ackert Jay Reatard sich durch die verschiedensten Musik-Stile der letzten fünf Jahrzehnte: Im Refrain von "Rotten Mind" grüßen deshalb also die Ramones, "Nothing Now" könnte von einer dieser angesagten Retro-Indie-Bands aus England stammen (oder eben von deren Vorbildern) und das treibende "Man Of Steel" weckt Erinnerungen an die beatverliebten 60er Jahre. Als Schelm, der Reatard jedoch ist, spart er sich das Beste jedoch für das Ende auf: "Hang Them All" und "There Is No Sun" laden erst zum tanzen ein, bevor man dann doch schließlich mit den Worten "there is no sun for me" etwas bedröppelt nach Hause geschickt wird. Wer das allerdings nach dieser treibenden und energiegeladenen halben Stunde noch für bare Münze hält, der hätte sich vielleicht doch besser bereits nach dem Opener auf den Weg machen sollen.

Ach, übrigens: Wer sich fragt, warum Reatard auf dem Cover von "Watch Me Fall" aussieht wie ein blutsaugender Bruder des Glöckners von Notre Dame... ähm, also... dass er ein wenig seltsam ist hatten wir bereits erwähnt, nicht? (Matthias Holz, CT das Radio)

VÖ: 14.08.2009

Künstler: http://www.jayreatard.com | Label: http://www.matadorrecords.com

Anspieltipps

  • Hang Them All, Track 11
  • It Ain´t Gonna Save Me, Track 1
  • I´m Watching You, Track 6
  • Man Of Steel, Track 3
  • There Is No Sun, Track 12

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