Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 44/2008

Albumcover

Jay Reatard
Matador Singles 08

Einen an der Waffel hat er schon, das kann man nicht leugnen. Nichtsdestotrotz, Jay Lindsey ist ein äußerst kreativer Kopf, abgesehen davon ist einer jener Musiker die mit ihren Ideen den ein oder anderen Plattenschrank im Alleingang füllen könnten. Die Nervous Patterns, Digital Leather, The Final Solutions, Lost Sounds oder The Reatards sind nur ein paar der Bands bei denen sich der junge Herr bis jetzt ausgetobt hat.

Letztes Jahr hat er dann als Jay Reatard sechs - monatlich erscheinende - 7inch-Singles via Matador veröffentlicht. Die waren so heißbegehrt, dass der Server der Matador-Page unter dem Ansturm von 10 000 Usern, die gleichzeitig auf die Bestellpage zugriffen, zusammengebrochen ist. Für all jene, die kein Vinyl ergattern konnten, gibt es jetzt eine dreizehn Stücke umfassen Zusammenstellung auf CD. Logischerweise klingt das Ganze eher breit gestreut, aber wo es musikalisch in die verschiedensten Winkel von Jays Universum geht, wird alles von seiner aberwitzigen Stimme zusammengehalten.

Auch wenn Reatard die Garage-Rumpelkammer seines letzten Albums "Blood Vision" noch nicht vollständig verlassen hat, so hat er dort doch mit seinem ganz eigenen, schrägen Verständnis für Pop-Arrangements ordentlich aufgeräumt. Unverbesserliche Fundamentalisten mag das verstören, alle anderen freuen sich an mehr Melodie und Songstruktur. Die Zusammenarbeit mit Deerhunter/Atlas Sound-Mastermind Bradford Cox hat den Stücken hörbar gut getan, besonders "Flourescent Grey" entfernt sich mit shoegazigen Echo/Reverb-Verästelungen deutlich von altbekannten Punkmustern. Ein Händchen für Ohrwurm-Refrains beweist er dann in der zweiten Hälfte. Doch unter der vermeintlich glatten und wohlproduzierten Oberfläche offenbaren sich bei genauem Hinhören ungeahnte lyrische Tiefen. So kleidet "Trapped Here" Paranoia in ein Ohrwurm-Refrain-Gewand und das catchy "Hiding In My Hole" handelt von Entfremdung und Versagensängsten.

Mit dieser Single-Kollektion im Albumformat hat sich Jay Reatard auf eine Reise begeben, deren Ziel er selbst noch nicht genau zu kennen scheint.
Irgendwo zwischen den Adverts, Brian Eno, Wire und den Ramones scheint es zu liegen. Zwische Punk und Rock und das in einer Zeit, in der solche Klänge fast anachronistisch wirken. Solange dabei aber so gute Musik bei herauskommt, kann seine Ungewissheit gerne noch etwas länger anhalten. (Lars Koch, hochschulradio düsseldorf)

VÖ: 17.10.2008

Künstler: http://www.myspace.com/jayreatard | Label: http://www.matadorrecords.com

Anspieltipps

  • MO: 01. See Saw
  • DI: 12. You Were Sleeping
  • MI: 04. An Ugly Death
  • DO: 9. Hiding Hole
  • FR: 8. Trapped Here

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