Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 07/2013

Albumcover

Jamie Lidell
Jamie Lidell

Jamie Lidell geht es gut. Er hat ein Rock'n'Roll-Leben, in dem es wohl selten langweilig zugeht. Hängt mit bekannten DJs rum und wenn er sich um Finanzen Gedanken machen muss, dann sicher nur um den Preis vom nächsten Synthesizer für seine Sammlung. Der Engländer kommt um die Welt, bereist New York, Hippstermekka Berlin und hat sich jetzt in Nashville ein Studio eingerichtet. Nur ein Problem gibt es: leichte ADHS-Symptome.

Wobei ihm ja auch selbst das gelegen kommt: Seine Macke, in jedes Lied eher zu viel als zu wenig einzubauen und Brüche zu generieren, funktioniert auf seinem selbstbetiteltem Album gewohnt sehr gut. Lidell will auf der LP - die er im Alleingang produziert hat - aufzeigen, wie es klingen kann, wenn Mensch und Maschine musikalisch fusionieren. Das Resultat: verkopft, aber keineswegs sperrig. Elektronischer Unterbau, doch melodisch warm und trotz Soulstimme nie retro. Lidell ist mit seinen Mischpulten und Loopmaschinen eins geworden: "Big Love" glänzt mit vielschichtig melodischen Synthies, praller Beatmaschine und Lidells kräftiger Stimme. Unvermittelt denkt man an die besten Zeiten von Michael Jackson oder Prince.

Auch die zweite Single "You Naked" überzeugt durch verspielt übereinander geschichtete Komposition, die Funk und maschinelle Klänge verbinden. "You Know My Name" macht mit seinen wirren Klangkonstrukten keine Ausnahme, das polyrhytmische "So Cold" lässt sogar Raum für ein Synthiesolo. In einigen Passagen fällt der "Soul Wizard" aber doch fast aus dem Fenster: "Why Ya Why" überschlägt sich vor Experimentierfreudigkeit und wirkt mitunter auch zu überladen. Leichte Unruhestörungen. Lidell schafft es in "Blaming Something" aber doch seinen Groovezwang an den richtigen Stellen zu zügeln und kriegt mit "Don't You Love Me" sogar noch eine eingängige - für seine Verhältnisse - Midtemponummer inklusive "echtem" Piano hin.    

Lidell ist ein innovatives Album gelungen, das der versprochenen Einordnung zum "Future-Soul" in vollen Zügen gerecht wird. So eine große Überraschung ist das auch gar nicht, denn Lidell hat schon einmal bewiesen, dass lediglich eine Smartphone-Software schon reichen kann, um einen ziemlich guten Song zu basteln. Was passiert, wenn dieser Nerd gleich ein ganzes Studio zur Verfügung hat, kann man dann auf diesem Album erfahren.  (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

I'm Selfish, #1
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You Naked, #5
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So Cold, #9
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Big Love, #2
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You Know My Name, #8
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