Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 21/2008

Albumcover

The Islands
Arm's Way

Schlagzeile: Die Islands veröffentlichen ihr zweites Album und helfen damit Alkoholsüchtigen! Nein, vom kanadischen Bundesministerium für Gesundheit ist „Arm’s Way“ dann doch nicht gesponsert. Dennoch ließ sich Bandgründer Nick Thorburn zu der doch sehr gewagten These hinreißen, dass der Zweitling seiner Band eine Platte sei, für die man Konzentration aufbringen müsse und die den Leuten dabei helfe, nüchtern zu bleiben, sei also um drei kausale Ecken gedacht eine Scheibe für Alkoholiker.

Aber egal, ob man zum Frühstück literweise Büchsenbier konsumiert, edlen Whisky oder gar gänzlich abstinent durchs Leben schreitet: Die Sache mit der Konzentration, die Nick angesprochen hat, sollte man unbedingt ernst nehmen. Man würde sonst nämlich allerlei verpassen. Wer darauf erpicht ist jedes einzelne Element aus den zwölf Songs zu filtern, muss seinen Grips definitiv anstrengen, denn eines ist "Arms Way" auf keinen Fall: eintönig. Neben den für Indierock typischen Instrumenten, wie Gitarre und Drums, geben sich Geigen, Oboen und Klarinetten die Ehre. Diese werden dabei so gezielt und interessant eingesetzt, dass jeder Song etwas ganz Eigenes hat. Selbst vor Calypso und sturen elektronischen Helferlein ist man auf „Arm’s Way“ nicht sicher.

Die Islands haben ein Album erschaffen, welches definitiv nicht im Hintergrund dudeln sollte. Die Songs führen glücklicherweise nicht nahtlos ineinander, sondern haben dem Hörer unglaublich viel zu bieten. Brüche und Stilwechsel geben sich die Klinke in die Hand und das bei diesen latent ADS-gestörten Kanadiern Popmusik durchaus alle seinen Variablen ausspielt, ist spätestens seit ihrem Debüt bekannt. Auf „Arm’s Way“ versuchen sie jedoch, das Kuddelmuddel im Zaum zu halten. Was ihnen natürlich nicht immer gelingt. "Abomonable Snow" beispielsweise beginnt so ruhig, dass man sich zurücklegen und entspannen mag. Im nächsten Moment kann man dann aber schon gar nicht mehr die Füße stillhalten, dann wird’s wieder ruhig. Die Islands lieben Täuschungsmanöver!

"T´Aime Vos Voir Quitter" gönnt dem Hörer dann mit einheitlicher Tanzbarkeit, Fröhlichkeit und Lebenslust, gepaart mit karibischen Klängen, mehr Gradlinigkeit, wenngleich das Tanzbein unweigerlich loslegen will. Auch die erste Single „The Arm“ beginnt mit unwiderstehlichen Streichern, bevor im zweiten Teil der Song ausfranst und bis zum Schluss nicht mehr die Contenance wahrt. Die Islands beeindrucken nicht nur mit individuellen Melodien, sondern auch mit einem interessanten Zusammenspiel von Text und dem eben Genannten. "Creeper" bietet einen extrem fröhlichen Rhythmus, der das Bett für einen stark negativ belasteten Text darstellt. So hört man Worte aus Thorburns Mund, wie “right from the start I was stabbed in my heart” oder “creeper in my home, crawling through the window, I grabbed a kitchen knife...creeper had his own, shinin´ in the moonlight”. Schauermärchen und Calypso – das gibt es so nur in der kunterbunten Welt der Islands.

Der sechsköpfigen Besetzung der Islands ist es definitiv gelungen eine Platte zu produzieren, die eingänglich, facettenreich und individuell zugleich ist. Auch die zweite Hälfte etwas die Hits vermissen lässt und die Produktion an mancher Stelle nicht wild genug ist, steht die etwas genügsamere und poppige Gangart den Islands gut. Die zwölf Songs spiegeln die Vielfältigkeit und das Potential der Band hervorragend wider. Es erinnert ein bisschen an die verloren geglaubte Lockerheit des Lebens, die an sonnigen Tagen tanzbar, an regnerischen traumhaft wie die Essenz des Daseins erscheint. Wer Fotos der Band gesehen hat wundert sich nicht über die verschiedenen, juvenilen Eindrücke, die "Arms Way" hinterlässt. Erinnern die Jungs aus Montreal zusammen doch irgendwie an eine schwarz-weiße, männlich-trashige Benetton-Werbung. Nach Aussage von Thorburn ist "Arms Way" die erste Platte, bei der die Bandmitglieder auf einen gemeinsamen Nenner gekommen sind. Was bei den Islands soviel bedeutet: Auf keinen Nenner. (Vanessa Trösch, CampusFM)

VÖ: 16.05.2008

Band: http://www.islandsareforever.com | Label: http://www.roughtraderecords.com

Anspieltipps

  • "The Arm", Track 1
  • "Abomonable Snow", Track 4
  • "Creeper", Track 5
  • "T´Aime Vos Voir Quitter", Track 3
  • "Pieces of You", Track 2

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