Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 29/2007

Albumcover

Interpol
Our Love To Admire

Klar, die Welt ist böse und gemein. Daran hat sich in den letzten drei Jahren auch nichts geändert. Notorische Schwarzmaler wie die Jungs von Interpol müssten eigentlich gefallen dran finden. Doch siehe da: Die Hoffnung, die ja bekanntlich zuletzt stirbt, ist tatsächlich nicht tot. Eine Erkenntnis, die den Interpol’sche Horizont nach vier (angeblichen) Trennungen erweitert hat? Obwohl - mit dem mittlerweile dritten Studioalbum „Our Love To Admire“ scheint alles beim Alten zu sein. Antilopen müssen sich immer noch vor Löwen in Acht nehmen.

Die Theatralik gehörte schon immer zum Repertoire der Band, und so hält der Pathos auf der neuen Scheibe Einzug. Dementsprechend fügt sich der übermelancholische Opener „Pioneer To The Falls“ – ausgestattet mit einer Spiellänge von sechs, fast monumentalen Minuten – ins bisherige Programm ein: Das manisch im 4/4-Takt rotierende Gitarrenspiel, ein dunkel vorantreibender Basslauf, dazu der langsame Aufbau von Spannung, die sich nachher in quasi-orchestralen Ladungen entlädt – einzig und allein der vermehrte Einsatz von Keyboards und Synthesizern dürfte besonders auffallen. Von weit weg erreicht uns Paul Banks getragener Gesang. „Show me the dirt pile and I will pray that the soul can take“, nölt er schwermütig. Diese vertraute Düster-Romantik bleibt stetiger Begleiter, „No. 1 in Threesome“ und „The Scale“ sind gute Interpol-Songs - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Doch dann bricht sie auf, die eisige Endzeitstimmung: Die ersten Takte der Vorabsingle „The Heinrich Maneuver“ beschwören einen Ohrwurm herauf, „How are things on the westcoast?“, fragt Banks. Doch seit wann interessieren sich die Jungs von der Ostküste dafür was auf der anderen Seite des Kontinents passiert? Ein Anflug einer neu gewonnen Empathie? Oder doch nur eine Phrase höflicher Natur? „Our Love To Admire“ wurde schließlich in San Franciso aufgenommen. Aber man darf erleichtert sein, nichts dergleichen ist der Fall. „No, I don´t want to read your thoughts anymore”, singt Banks und rückt unser kurzeitig ins Wanken geratene Weltbild zurecht – um es dann doch wieder zu verschieben. Denn für Interpol-Verhältnisse ist „The Heinrich Maneuver“ ein richtig fröhlicher Song. Textzeilen wie „today my heart swings“ zeugen von einem neuen Selbstempfinden. Immer wieder tauchen einzelne Hoffungsschwimmeram sonst dunkeln Firmament auf, beispielsweise im locker-lässigen „Mammoth“ mit seinen schmachtenden „Uh-uhs“ oder im opulenten, mit Kampfansagen gespickten „Who Do You Think“.

„Our Love To Admire“ nimmt zwischenzeitlich ungewohnte Züge an, doch von einer 180°-Kehrtwende zu sprechen, wäre zu weit hergeholt. Interpol bleiben Interpol. Der bedrückende Grundtenor der Vorgänger „Turn On The Bright Lights“ (2002) und „Antics“ (2004) wurde weitestgehend konserviert. Nicht umsonst wird die Platte mit dem experimentellen, traurig-schönen „The Lighthouse“ und der vielzitierten Metapher des einsamen Leuchtturmwärters, der sein Seelenheil in der Einsamkeit seines Daseins findet, beschlossen. Es sind die Nuancen, die „Our Love To Admire“ vom bisherigen Schaffen der Band unterscheidet, neben der schwellenden Vielschichtigkeit der Texte fällt die Platte durch kleine Feinheiten im Sound auf, die sich erst im dritten oder vierten Durchlauf bemerkbar machen. Der von vielen erwartete Quantensprung ist jedoch definitiv ausgeblieben. Kritiker nennen so was Stagnation, Befürworter hingegen Perfektion. Welchen Stellenwert die dritte Platte der New Yorker Jungs besitzt, werden wir wohl erst mit dem nächsten Album sagen können. Bis dahin lassen wir unsere Herzen swingen. (Patrick Torma, DuE)

VÖ 06.07.2007

Künstler: http://www.interpolnyc.de | Label: http://www.emimusic.de

Anspieltipps

  • The Heinrich Maneuver, Nr. 4
  • Who Do You Think, Nr. 9
  • No 1 In Threesome, Nr.2
  • Mammoth, Nr. 5
  • Pioneers To The Falls, Nr. 1

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