Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 47/2007

Albumcover

Imani Coppola
The Black & White Album

Der Tellerrand wird nicht als Grenze akzeptiert, wenn Imani Coppola loslegt. So kosmopolitisch und vielfältig wie auch ihre Heimat Brooklyn gebärdet sich das mittlerweile achte Album der 29jährigen. Denn auf „The Black & White Album“ kommt der Genreberater schnell ins Schleudern: Ist das etwa Rock, Punk, R’n’B oder doch HipHop? Die Antwort: Auch. Aber es darf noch etwas mehr sein. Prallvoll und verschwenderisch mit beiden Händen greifend, bedient sich Imani mit Stilmitteln aus Untergrund und Mainstream. Dumpfe Beats, rasante Melodien, entfesselte Kapriolen und deftige Slogans inklusive. Jeder Song überrascht so mit einem ganz eigenen Gestus, fast ausnahmslos jeder Track ist ein Volltreffer wie beim Dosenwerfen: unten, mittig.

Schon der getragene aber plakativ ausgeschmückte Opener „The Black & Jingle #1“ lässt das immense Potenzial der Dame erahnen. Gekonnt hangelt sich Imani von Oktave zu Oktave, begleitet von Piano, Orgel und sanfte Schwermut nehmen uns ihre knallharten Lebensweisheiten in Empfang. Doch Coppola ist keineswegs auf nöhliges Gezeter aus. Das anknüpfende „Springtime“ belehrt eines Besseren. In lässiger Rockröhren-Manier geht es geradeaus, die Angriffslust immer im Anschlag. Daran kann auch das wunderschöne Violin-Outro nichts drehen und wenden. Coppola legt noch eine dreckige Schüppe drauf: Woke Up White ist Punkrock pur. Vier plumpe Akkorde, treibende Drums und perfekte Shoutings in zwei knackigen Minuten – als ob Imani nie etwas anderes gemacht hätte. Dann die Zäsur. Die Gitarren werden abgestöpelt, die Samples ausgepackt. „Raindrops From The Sun“ ist eine eingängige Midtempo-Popnummer mit britischem Flair - Natasha Bedingfield und Konsorten lassen grüßen. Die nächste Schublade wird geöffnet, die nächsten Songs spielen mit den Einflüssen der Sparten R’n’B, HipHop und Rap. Mit „30th Birthday“ bereitet sich die fast Mitdreißigerin seelisch auf eine eventuelle Mid-Life-Crisis vor, das Kontrastprogramm spult „Key 2 Your Ass“ mit all seinen Schlüpfrigkeiten ab. Authentisch-böse Sprecheinlagen und eine glaubwürdige Dirtyness – womit will uns diese Frau denn noch beeindrucken? Das Zwischenzeugnis fällt jetzt schon imposant aus. Fehlt eigentlich noch die Elektronik-Schiene. Doch dem Leser dieser Zeilen schwant: Auch hier lässt sich die Interpretin nicht lumpen. „I’m A Pocket“ erinnert stark an Peaches, kommt aber mit weit weniger Obszönitäten aus – die hat Coppola ja mit gutem Gewissen auf die übrigen 13 Tracks verteilt. Herrlich absurd ist das anarchistische „I Love Your Hair“ – die amerikanische Antwort auf das unter Ballermannerprobten bekannte „Du hast die Haare schön“. Zumindest vom Text her, wie sich der Autor sagen lassen hat.

Was bleibt, ist ein Querschnitt durch die Popkultur unserer Zeit. Genreverliebte Hörer wird dieser Leitfaden nicht genügen, zu unterschiedlich sind die Stile, denen Imani Coppola auf „The Black & White Album“ frönt. Nichtsdestotrotz muss dieser Dame der Respekt gezollt werden, die Tracks sind alles andere als nur perfekte Kopien. Dafür ist die Leidenschaft, die eigene Note, allzu präsent. Ihr musikalischer Freiraum genießt immer höchste Priorität. So vertrieb sie dieses Album zunächst nur auf ihrer eigenen Homepage, bevor sie es zum Ipecac-Label von Mike Patton lizensierte. Ein Label, was vorher ausschließlich auf ätzenden Doom-Rock und gänzlich unkommerzielle, avantgardistische Haltungen setzte. Nun hat Ipecac also ein Popprojekt. Und was für eins! (Markus Wiludda, eldoradio* & Patrick Torma, CampusRadios NRW)

VÖ: 23.11.2007

Künstlerin: http://www.imanicoppola.net | Label: http://www.ipecac.com

Anspieltipps

  • Raindrops From The Sun, Nr.4
  • Woke Up White, Nr. 3
  • Springtime, Nr. 2
  • Key 2 Your Ass, Nr. 8
  • J.L.I.A.T.O.Y.O, Nr. 11

Hier könnt Ihr Imani Coppola: The Black & White Album - Silberling der Woche 47/2007 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar