Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 32/2002

Albumcover

Idlewild
The Remote Part

„Sing a song about myself, keep singing a song about myself, not some invisible world.“ American English. „Aktuelle Single“ Die Single bringt´s wohl auf den Punkt. Die vier Jungs aus Schottland haben anscheinend endlich damit aufgehört, krampfhaft zu versuchen, nach amerikanischem Punkrock klingen zu wollen. Nach dem Minialbum „Captain“ 1998 dachte man: Naja, die entwickeln sich; schlecht sind sie auf keinen Fall. Aber spätestens nach dem 2000er Album „100 broken windows“ überlegte man, ob es nicht besser für die Jungs wäre, in kleinen schottischen Pubs zu spielen. Denn Idlewild kamen an keine der Punkbands ran, die sie anscheinend als ihre Idole betrachteten. Sie waren die ewige Support-Band. Die, die man zwar oft sah, dabei aber fast immer übersah. Sie spielten als Vorband von Placebo, Ash und den Manic Street Preachers.

Die Amerikaner sahen das wohl anders. Denn 2001 folgte Idlewilds erste US-Tour. Sie war gut besucht, bis ausverkauft! Die Schotten bekamen beste Kritiken in der amerikanischen Musikpresse, und vor allem kam endlich mal Geld in die Kasse. Denn im UK waren die Jungs so ziemlich abgeschrieben.

Irgendein Fan, der zufällig bei Emi USA arbeitete, schlug dann vor, sie sollten doch mal mit Producer Lenny Kaye zusammenarbeiten. Gesagt, getan! Die Band, war von dem Mann so begeistert, daß sie plötzlich wieder Songs schreiben konnten. Denn vor lauter Touren, waren den Jungs die Ideen ausgegangen.

Sie fuhren zurück nach Schottland, produzierten einen Teil des Albums mit Stephen Street, der einst auch die Smiths produzierte, und verzogen sich dann in ein kleines schottisches Kaff, um den Rest zu machen.

Rausgekommen ist dabei ein Album, daß zwar ab und an noch nach dem klingt, was wir von Idlewild kennen, aber der Größte Teil klingt um einiges relaxter, und melodischer. Da gibt es Stücke wie „All I´ve ever wanted“, bei denen Sänger Roddy Woomble eher nach Martin Ross von Gene klingt. Und bei „Stay the same“ fragt man sich ob nicht Altmeister Morrisey von The Smiths ein bißchen nachgeholfen hat.

Idliewild klingen jetzt britisch. Und wenn das sie selbst sind, dann ist das absolut keine Schande. Fraglich ist allerdings ein statement von Idlewild-Sänger Roddy Woomble: Der sagte nämlich kürzlich in einem Interview mit einer englischen Musikzeitschrift, daß in Amerika die Leute jetzt eher auf die britische musik stehen, weil sich in Amerika selbst nicht mehr viel tut.

Hoffen wir mal, daß sich Idlewild also wirklich gefunden haben, und ihr Näschen nicht nur einfach nach dem amerikanischen Musikmarkt ausrichten. In diesem Sinne: Scottish Fiction Rules!

(Text: Amy Zayed, Herz 87.9, Bielefeld)

HOMEPAGE: www.idlewild.co.uk / LABEL: www.emimusic.de

Anspieltipps

  • MO: American English
  • DI: World In Your Arms
  • MI: I Am What I Am
  • DO: The Remote Part
  • FR: All I´ve Ever Wanted

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