Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 08/2013

Albumcover

Iceage
You're Nothing

Als 2011 „New Brigade“ das Debüt von Iceage erschien, irritierte die ausgestellte Runenästhetik, der erste durch die Blogs geisternde Song hieß „White Rune“, militaristische Metaphern und das Outfit der Band taten ihr Übriges. Schnell wurde jedoch klar, dass es sich bei den vier Dänen mitnichten um eine Naziband handelte, vielmehr entstammen sie der umtriebigen, aber weitgehend unbeachteten Kopenhagener Punk- und DIY-Szene. „New Brigade“ schlug ein wie eine Bombe und die weltweite Kritik jubelte. Der ausgestellte „Dilettantismus“ des Punk, die Kälte von Cold Wave und Post-Punk, die Schnelligkeit von Hard-Core, sowie der harsche Krach von Noise-Rock verliehen „New Brigade“ ein völlig eigenständiges, hingerotztes Flair. Mit „You're Nothing“ melden sich Iceage nun zurück.

So etwas wie ein Klicken gefolgt von Brummen aus der linken Box, dann wird rechts eine Gitarre angeschlagen und sofort ist sie da, der Iceage-typische, klirrende Wall Of Sound; die Gitarre wird anschließend raumfüllend und in die Mitte explodieren Schlagzeug und Bass - man möchte fast aufspringen und wild durch die Wohnung hüpfen zu dieser Musik. Aber Stopp! Sobald der Gesang von Elias Bender Rønnenfelt einsetzt, hat man den Eindruck, dieser trete merklich mehr in den Vordergrund anstatt gleichberechtigt in die von Iceage produzierte Soundwand integriert zu sein. Ein Eindruck, der sich im Nachhinein als so nicht ganz richtig erweist, aber dennoch zeigt, dass der Gesang zumindest gefühlt eine größere Gewichtung bekommt.

Vom Duktus bleibt Rønnenfelts Vortrag seiner aggressiv-gehetzten Grundhaltung treu, flirtet aber öfter mit gelangweiltem Singsang und lässt sogar so etwas wie Zerbrechlichkeit und Gefühl im nihilistischen Malstrom aufblitzen. Augenfällig wird dieser Wandel nach dem kurzen instrumentalen Zwischenspiel nach den ersten beiden Songs im fantastischen „In Haze“ oder in der nicht minder guten Anti-Hymne „Morals“. Die Musik wirkt im Vergleich zum Vorgänger, der partiell fast ein wenig unfertig klang und der Band tatsächlich auch Kommentare, wie „die sollten erst mal spielen lernen“ (sic!) einbrachte, strukturierter, das Songwriting reifer, die Tempowechsel besser getimt, die Melodieführung ausgefeilter und, wer hätte gedacht, dass man dies einmal über Iceage sagen würde, poppiger. Iceage machen auf „You're Nothing“ einen nicht zu unterschätzenden Schritt nach vorne. Auch in Richtung „Professionalität“. (Mark-Oliver Schröder)

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Anspieltipps

Ecstasy, #1
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Coalition, #2
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In Haze, #5
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Everything Drifts, #7
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Wounded Hearts, #8
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