Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 40/2003

Albumcover

I Am Kloot
I Am Kloot

Als in Großbritannien 2001 jeder nur vom „New Accoustic Movement“ sprach, und Travis, Coldplay und Badly Drawn Boy die englischen Charts beherrschten, kam das Debütalbum der drei Jungs aus Manchester gerade recht. „Natural History“ war eine Ansammlung melodischer Akustikballaden, die sowohl textlich, als auch musikalisch den Sound des englischen Nordwestens, und vor allem Manchesters wiederspiegelten. Frontmann und Songwriter John Bramwell und seine Kollegen Peter Jobson und Andy Hargreaves boten verklauselte Melodien und Texte, die von Unsicherheit handeln, ob man jemanden wirklich liebt, oder wirklich hasst, von dem dünnen Faden zwischen Liebe und Hass. „Natural History“ machte den drei Herren einen Namen, den sie schon lange verdient hatten.

Denn leicht war es nicht gewesen, das Debüt fertigzustellen, oder überhaupt die Band am Leben zu erhalten. John hatte im „Night And Day Cafe“ als Booker und Promoter gearbeitet, als er auf die Idee kam, eine Band zu gründen.
Das „Night And Day“ ist wohl der Ort in Manchester, der am meisten dafür bekannt ist, neue Bands zu fördern. Jede angesagte Newcomerband muss mindestens einmal dort gespielt haben, um einen Plattenvertrag zu bekommen. Wer dort spielt, hat ne Chance. Also rief John alle Leute an, von denen er meinte, dass sie in seine Band passen würden, und entschied sich zum Schluss für seinen Freund Peter Jobson und Andy Hargreaves. I am Kloot war gegründet. Glücklich waren Johns Arbeitgeber allerdings nicht darüber. Die Besitzer des „Night and day“ warfen ihm vor, Kontakte zu Managements und Plattenfirmen für seine eigene Band zu nutzen. So verloren er, und Peter, der auch dort arbeitete, kurzerhand ihren Job. Andy hatte sowieso keinen, und da sie ihre Miete nicht zahlen konnten, mussten sie auch ihre Wohnungen verlassen und waren obdachlos. Das bekam zufällig Johns Sandkastenkumpel Guy Garvey mit, seines Zeichen Frontmann von Elbow. Er nahm die Jungs unter seine Fittiche, sorgte dafür, dass sie ein Studio fanden, und produzierte das Debüt von I am Kloot.

Seitdem sind drei Jahre vergangen. Mittlerweile haben die „Klooties“ wieder Wohnungen, und dürfen sich sogar wieder im „Night and day“ blicken lassen.
Ihr zweites Album „I am Kloot“ ist letzte Woche erschienen, und ist eine Weiterentwicklung ihrer immer noch sehr melodischen, aber verklauselten Akustikballaden. Allerdings ist das neue Album eingängiger, durchorganisierter als das Erste. Die Tracks haben etwas von ihrer Ruppigkeit verloren, dafür aber an Songwriting-Qualitäten gewonnen. In „Your Favourite Sky“ geht’s um Johns Lieblingsthema: Er macht sich über eine Frau lustig, die er eigentlich liebt. Und es gibt diesmal sogar ein echtes Liebeslied, eins ohne Ecken und Kanten: „Same Deep Water As Me“. John hat es für seine Freundin geschrieben. Die beiden kennen sich schon seit zehn Jahren. Sie waren auch mal liiert, mussten sich aber trennen, Drogen hatten die Beziehung kaputt gemacht. Vor acht Monaten, kurz vor Fertigstellung des Albums, trafen sie sich wieder, und kamen zum zweiten Mal zusammen.
„Eigentlich war gar nicht geplant dass „Same Deep Water As Me“ aufs Album kommt, aber das Lied war so schnell geschrieben, und passte so sehr zu meinen Gefühlen, dass wir’s einfach mit draufgenommen haben.“ sagt John im Rückblick.

Live sind I am Kloot ein Muss. Wer einen Mann mit Gitarre und Trauerblick erwartet, sollte aber besser nicht hingehen. Denn John und Kollegen sind immer für Überraschungen gut. Mal bewerfen sie die Fans mit Bierdosen, mal schreit John unkontrolliert in die Menge, und dann sind da noch „The Troupe“. Eine Amateurtanzgruppe aus Manchester, die die „Klooties“ auf ihrer Tour begleiten. Sie kommen irgendwann auf die Bühne, und gehen irgendwann wieder. Die Band schenkt ihnen keine Beachtung. Und das Publikum fragt sich, ob die Band überhaupt mitbekommen hat, dass die Mädels da oben getanzt haben. „Wir wollen dass sich die Leute öfter fragen. Was soll das alles? Wer sind diese durchgeknallten Menschen?“ sagt Bassist Pete Jobson. Wer sich selbst überzeugen will, der sollte sich am 04.11.03 die Chance nicht entgehen lassen. Da spielen I am Kloot nämlich in Köln.

Anmerkung: Die Zitate sind einem Interview entnommen, dass die Autorin selbst geführt hat.

(Amy Zayed, CampusRadios NRW)

Anspieltipps

  • Untitled
  • Your favourite sky
  • Same deep water as me
  • Life in a day
  • Mermaids

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